So werden Mädchen selbstbestimmte Frauen

Chimamanda Ngozi Adichie bewundere ich schon seitdem ich ihre TED Talks gesehen habe. Sie setzt sich für Frauen ein und kämpft gegen Rassismus. Besonders ihr Roman „Americanah“ hat mich sehr bewegt. Dieses Jahr hat die nigerianische Autorin ein Buch veröffentlicht, in dem sie 15 Vorschläge für eine feministische Erziehung gibt: „Liebe Ijeawele… Wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden„.

Das Buch ist gestaltet wie ein Brief an Ihre Freundin Ijeawele, die gefragt hat, wie sie ihre Tochter feministisch erziehen soll. Chimamandas Antwort darauf ist persönlich und praktisch mit vielen Beispielen und Erfahrungen.

Hier kommen ihre wichtigsten Ratschläge:

„Sei eine vollständige Person“

In ihrem ersten Vorschlag macht Chimamanda deutlich, dass die Mutterschaft ein großartiges Geschenk sei. Doch rät sie einem dazu eine vollständige Person zu bleiben und sich nicht nur über die Mutterrolle zu definieren.

„Erkläre ihr, dass ‚Geschlechterrollen‘ absoluter Blödsinn sind“

Über die Wirkung der Sprache sind sich viele oft nicht bewusst. Chimamanda hebt in ihrem dritten Vorschlag hervor, dass „weil man ein Mädchen ist“ niemals ein Grund für irgendetwas sein darf. Sie erzählt von ihrer Erinnerung daran, dass man ihr als Kind gesagt habe, dass sie sich beim Fegen richtig bücke solle, nämlich „wie ein Mädchen“. Aus diesem Kapitel stammt auch der wohl meistzitierte Satz ihres feministischen Manifests:

„Die Fähigkeit zu kochen ist nicht vorinstalliert in einer Vagina.“

Sie rät dazu, dass Töchter von Anfang an lernen, Geschlechterrollen abzulehnen, um sie gar nicht erst in sich zu verankern. Anhand von verschiedenen Beispielen zeigt Chimamanda die Unterschiede zwischen der Erziehung von Jungen und Mädchen auf. So würden Jungen meistens ermuntert Dinge zu erforschen, während Mädchen ermahnt würden und sich zurückhalten müssten.

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„Sei auf der Hut vor der Gefahr dessen, was ich Feminismus Light nenne“

In ihrem vierten Vorschlag spricht mir Chimamanda aus der Seele. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der vorbehaltlichen Gleichheit der Geschlechter. Dafür nennt sie unteranderem folgendes Beispiel:

„Eine Frau kann erfolgreich sein, aber sie sollte auch ihre häuslichen Pflichten erfüllen und für ihren Mann kochen.“

Besonders kritisch sieht Chimamanda hierbei das Wort „gestatten“. Sie bezieht sich darauf, dass manche Männer ihrer Frau Dinge „gestatten“ und hat dazu eine deutliche Meinung: „Gestatten ist ein verstörendes Wort.“ Der Feminismus Light sei außerdem dafür verantwortlich, dass man in der Gesellschaft mächtige Frauen härter als mächtige Männer beurteile.

„Sprich nie von der Ehe als Errungenschaft“

Der siebte Vorschlag sollte nicht falsch verstanden werden. Für Chimamanda ist Liebe „das Wichtigste im Leben“. Doch macht sie darauf aufmerksam, dass Mädchen darauf konditioniert werden, unbedingt heiraten zu wollen. Sie erzählt in dem Kapitel davon, dass ein Zeitungsjournalist beschloss sie mit dem Namen ihres Mannes zu nennen.

„Ich habe meinen Namen behalten, weil es mein Name ist.“

Frauen sollten die Option haben, ihren Namen zu behalten, schreibt sie. Außerdem kritisiert sie die im englischen unterschiedlichen Bezeichnungen Ms. und Mrs., die sich auf den Familienstand der Frau beziehen. Bei Männern bleibe es demgegenüber immer Mr., ob verheiratet oder nicht.

„Sorge dafür, dass sie es nicht darauf anlegt zu gefallen“

Die Aufgabe eines Mädchens sei es nicht sympathisch zu sein, schreibt Chimamanda in ihrem achten Vorschlag für Ijeawele. Vielmehr sei es ihre Aufgabe ganz und gar sie selbst zu sein. Für ihre Argumentation zieht sie das Beispiel einer sexuellen Belästigung heran. So habe eine Frau bei einem Vergewaltigungsprozess ausgesagt, dass sie „keinen Konflikt hatte verursachen“ wollen.

„Die Welt ist voller Frauen, die nicht frei atmen können, weil sie zu lange darauf konditioniert worden sind, sich zu verbiegen, nur um gemocht zu werden.“

Doch spricht sich Chimamanda natürlich nicht gegen Freundlichkeit aus. Allerdings betont sie, dass „Freundlichkeit keine Selbstverständlichkeit sein darf“.

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Warum sich das Lesen lohnt:

Auf den ersten Blick könnte man meinen, das Buch „Liebe Ijeawele… Wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden“ sei nur etwas für Mütter. Ich würde es dagegen vielmehr allen empfehlen, die es einmal werden wollen sowie Vätern, Tanten und Onkeln, Lehrenden und Betreuenden. Außerdem lassen sich die Vorschläge nicht nur für Mädchen* anwenden, sondern auch für Jungen* sowie erwachsenen Männer* und Frauen*. Das Buch ist interessant für alle, die offen sind Konventionen und ihr eigenes Verhalten zu hinterfragen. Chimamanda beweist mit diesem Buch, dass Feminismus nicht abschreckend ist. Vielmehr zeigt sie, dass Gleichberechtigung selbstverständlich sein müsste.

Chimamanda Ngozi Adichie: Liebe Ijeawele… Wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden. FISCHER Taschenbuch. Frankfurt am Main, März 2017. 

 

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Verfasst von

24, Studentin mit Fernweh und immer einem Buch in der Tasche.

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