Namibia: Auf Safari im Etosha National Park

Alle sind mucksmäuschenstill, halten ihre Kamera fest in den Händen und blicken sich um. Guide Ian schaut hochkonzentriert auf einen Busch, während er langsam den großen Truck über die Schotterpiste fährt. Dann stoppt er plötzlich und dreht sich zu uns um. „There is a Lion under the tree“, sagt er und erklärt, dass sich die beige Fellfarbe des Löwen von der Umgebung abhebt. Angestrengt versucht mein Auge den Löwen zu erkennen. Hätte ich doch nur ein Fernglas mitgenommen…

Safaris gehören für die meisten Touristen zu Namibia, wie der Deckel auf den Topf und der Etosha National Park im Norden des Landes stellt mit seinen über 2200 km2 Fläche und großer Artenvielfalt daher ein Highlight jeder Namibiareise dar. Auch ich wollte mir diese Erfahrung nicht entgehen lassen und buchte eine 3-Tages-Etosha-Safari.
So eine geführte Tour im Truck mit Guide und Namibia-Touristen konnte ich mir eigentlich nicht vorstellen. Zu groß waren meine „Hummeldumm“-Ängste, da ich kurz vor meinem Auslandsaufenthalt in Windhoek das gleichnamige Buch von Tommy Jaud gehört hatte, indem der Protagonist ebenfalls mit einer Reisegruppe eine Namibia-Rundreise unternimmt und unter dem ein oder anderen Mitreisenden sehr leidet. Also stieg ich mit etwas Kribbeln im Bauch in den Bus ein, der die Teilnehmer der Wild Dog Safari am Samstagmorgen einsammelte und war sehr gespannt auf die anderen. Zum Glück wurde ich positiv überrascht und fand eine tolle Reisegruppe vor mit anderen Freiwilligen aus Namibia und Südafrika sowie Alleinreisenden und einem netten Pärchen. Doch die Aufmerksamkeit, die so ein großer Truck auf sich zieht, war mir die ganze Zeit zuwider.
Von Windhoek aus ging die Fahrt über Okahandja und Otjiwarongo Richtung Etosha National Park. Nach etwa 6 Stunden Fahrtzeit und ein paar Pausen auf dem Weg, erreichten wir am späten Nachmittag schließlich das Andersson’s Gate des Parks und starteten sogleich mit dem ersten Game Drive.
 
Impala, Etosha Nationalpark
 
Der Etosha National Park wurde 1907 gegründet und die Fläche betrug damals noch satte 80.000 km2. Seitdem wurde er mehrmals verkleinert, bis er letztlich seine heutige Größe erreichte. Die Landschaft im Parkgebiet ist sehr flach und zeichnet sich durch verschiedene Vegetationszonen besonders aus. Busch-, Sand- und Grasfelder wechseln sich hier ab mit Sträuchern und Bäumen.
Bereits an unserem ersten Abend im Park, hatten wir sehr großes Glück und die Möglichkeit ein Nashorn und ein Löwenpärchen, neben den sehr häufig vorkommenden Tieren wie Zebras, verschiedene Antilopen und Giraffen, zu sehen. Einfach atemberaubend diese Tiere in der Natur sehen zu dürfen! Da schaut man als kleines Mädchen hunderte Male „Der König der Löwen“, blättert durch Bildbände, liest Bücher und andere Blogs, träumt von einer Reise nach Afrika und dann ist man tatsächlich da, in Namibia, im Etosha National Park und ist vollkommen beeindruckt von dieser Schönheit, der Weite und diesen majestätischen Tieren.
 
Nashorn, Etosha National Park
 
Nach dem Game Drive endete der erste von drei langen Tagen auf dem Campingplatz Okaukuejo. Hier ist das Verwaltungs- und Forschungszentrum der Etoshapfanne. An unserer Campingstelle für die Nacht angekommen, bauten wir gemeinsam die dunkelgrünen Zelte auf, wobei wir Teilnehmer hier noch sehr auf die Hilfe unserer beiden Guides angewiesen waren. Da lässt sich mein kleines Jack Wolfskin Zelt definitiv einfacher aufbauen, indem kann ich aber auch nicht stehen. Als Matratzen und Rucksäcke ihren Platz im Zelt gefunden hatten, eilte ich schnell zum Kiosk, um noch ein Savanna Cider für einen Sundowner am Wasserloch zu kaufen. Die Eile wurde belohnt, denn so sah ich noch einen absolut spektakulären orange-roten Sonnenuntergang, bis schließlich der Regen prasselnd einsetzte und ich meine Kamera in Sicherheit bringen musste.
 
Wasserloch, Ukaukuejo, Etosha National Park

 

Wasserloch, Ukaukuejo, Etosha National Park
 
Die Regenzeit in Namibia dauert von November bis April und eigentlich wird einem in dieser Zeit von einem Besuch im Etosha National Park eher abgeraten. Dies hat verschiedene Gründe: Zum einen ziehen die Elefanten in dieser Saison in einen anderen Teil des Parks, für den Besucher keinen Zutritt haben, da sie hier eine bessere Vegetation vorfinden. Wer also Elefanten sehen möchte, so wie ich, wird in diesen Monaten enttäuscht. Außerdem müssen auch die übrigen Tiere nicht zu den Wasserlöchern kommen, an denen man sie beobachten darf, wenn überall im Park genug Wasser zur Verfügung steht. Zum anderen erhöht sich in der Regenzeit im Norden natürlich auch die Malariagefahr. Andererseits war es dank der Wolken meistens angenehm kühl und ich durfte einen wunderschönen und vor allem sehr grünen National Park sehen sowie sehr viele Löwen, die es in der Regenzeit eher schwer haben, da auch ihre Nahrung nicht an die Wasserlöcher kommen muss und dazu dank grünem Gras in guter Verfassung ist.
Zurück an unserer Campingstelle wurde das Abendessen vorbereitet und schließlich saßen wir in trauter Runde, im Halbkreis auf den dunkelgrünen Camping-Klapp-Stühlen und aßen schweigend mit großem Hunger Reis und Gemüse von den Plastiktellern. Völlig geschafft von dem langen Tag und den vielen Eindrücken, kuschelte ich mich schon früh in meinen Schlafsack, und gruselte mich schon vor dem Weckerklingeln am nächsten Morgen, denn Safari ist nichts für Langschläfer.
 
Wasserloch, Ukaukuejo, Etosha National Park
 
Vom Frühstück gestärkt, konnte am Sonntagmorgen ein weiterer Tag mit Safari im Etosha National Park beginnen. Kurz nach unserem Verlassen des Campingplatzes grüßten schon ein paar Giraffen vom Horizont und wenige Minuten später beobachteten wir weitere bei ihrem morgendlichen Mal, nur wenige Meter von unserem Truck entfernt. So könnte ich jeden Morgen meinen Tag beginnen!
So fuhren wir dann also von Wasserloch zu Wasserloch, sahen Springböcke, Oryx-Antilopen – die mit ihrer majestätischen Art, übrigens zu meinen Lieblingen geworden sind – einen älteren Löwen beim Schlafen, verschiedenste Vogelarten, einen zuckersüßen Steinbock sowie einige Gnus, die ich definitiv großartig finde und natürlich viele, viele Zebras und noch mehr Giraffen.
 
Steinbock, Etosha National Park
 
Zebras, Etosha National Park
Zebras, Etosha National Park
 
Zur Mittagspause machten wir Rast auf dem „Halali“ Campingplatz. Der Name hat seinen Ursprung im Deutschten und wurde als Signal dafür verwendet, dass das Tier erlegt und die Jagd damit zu Ende sei. Halali wurde erst 1967 eröffnet und ist damit das jüngste Rastlager im Etosha National Park. Hier nutzten wir die Zeit nicht nur für ein leckeres Mittagessen, sondern auch für eine Abkühlung im Pool, um wieder fit zu werden für den zweiten Game Drive an diesem Tag. Ich kann es mir selbst nicht wirklich erklären, aber faul im Auto rumzusitzen, nach Tieren Ausschau zu halten, zu essen und hunderte Fotos zu machen, macht einfach unendlich müde.
 
Etosha National Park, Namibia
Giraffe, Etosha National Park

Nach weiteren Giraffen und Antilopen, durften wir auch endlich mal Aussteigen und uns die Etoshapfanne ohne Truck um uns herum anschauen. Die Regeln des Etosha National Parks sind nämlich eindeutig, wenn es darum geht sein Fahrzeug zu verlassen: dies ist nur an wenigen Stellen erlaubt. Man darf nichtmal die Autotüren öffnen. So einem hungrigen Löwen würde ich auch definitiv nicht ohne Stahl um mich herum begegnen wollen und letztlich muss diese atemberaubende Natur auch geschützt werden und da es schon genug widerwärtige Menschen gibt, die Nashörner abschlachten, Straußeneier klauen und und und, müssen nicht noch Touris abseits der Wege herumtrampeln.

Das Gefährt
Die Etoshapfanne jedenfalls ist ca. 4700 km2 groß und ist der ehemalige Boden eines großen Binnensees, der inzwischen ausgetrocknet ist. „Etosha“ bedeutet übersetzt etwa „großer weißer Platz“ und trifft damit die Landschaft passend. Denn das Wasser ist lediglich verdunstet und hat damit Mineralien und Salze zurückgelassen, die diese riesige weiße Fläche entstehen ließen.
 
Etoshapfanne
Auf dem Weg zu dem letzten Campingplatz der 3-Tages-Safari, tauchte noch eine einsame Löwin sowie eine Giraffe auf, während es im Hintergrund blitzte und donnerte. In Namutoni, einem Rastlager mit Fort, welches als Grenzposten diente, genossen wir den Abend bei einem köstlichen Braai. Allerdings waren die Falter dermaßen hartnäckig, dass ich nach einigen geflügelten Gästen auf mir und meinem Teller schließlich im Dunkeln aß. Krabbeltiere und Falter verschiedener Art gehören eben typischerweise zum Campen dazu. Doch bei meinen Camping-Urlauben in Deutschland, lief noch nie ein Schakal über den Platz! Willkommen in Namibia!
Löwin, Etosha National Park
Da auch der zweite Tag wieder lang gewesen war und der Wecker am nächsten Tag sogar noch eine Stunde früher klingeln sollte, um noch vor der Rückfahrt nach Windhoek einen Game Drive machen zu können, krabbelte ich wieder früh in den Schlafsack.
So erwachte ich am Montagmorgen mehr schlecht als recht und baute unser Zelt eher im Halbschlaf als wach ab. Der Game Drive war dann etwas anders, als die beiden Tage zuvor, da Ian nicht mehr für Giraffen und Zebras den Truck stoppte, sondern nach noch nicht gesichteten Tieren seine Adleraugen richtete. Eine zeitlang verfolgten wir dann Elefantenspuren und frischen Kot, waren für den Elefantenbullen aber leider zu spät, konnten dafür aber noch zwei Löwinnen mit einem jungen Löwen entdecken.
 
Löwen, Etosha National Park
 
Nach einem kurzen Stop bei Namutoni, um den Tank wieder zu füllen – um Himmels Willen, ich will wahrscheinlich gar nicht wissen, wie viel Diesel dieses Montrum von Truck pro Kilometer verbraucht – machten wir uns auf den langen Rückweg nach Windhoek und verließen schließlich den Etosha National Park nach knapp 3 wundervollen, beeindruckenden Tagen.
Auch wenn solche Gruppenreisen definitiv nicht zu meiner Lieblingsreiseart werden, so war ich doch im Nachhinein sehr froh diese Möglichkeit genutzt zu haben. Ohne Ian hätte ich niemals so viele Tiere entdeckt und schon lange nicht so viel über Natur und Tiere gelernt, denn aus einem Reiseführer zu lesen, ist einfach etwas vollkommen anderes als die Informationen eines Locals, der selbst als Ranger im Etosha und in einigen anderen Game Reserves gearbeitet hat und sich für einen guten Umgang mit Wildtieren von Farmern einsetzt. Auch lernt man auf einer 3-Tages-Safari, in der man viel Zeit zusammen im Truck verbringt, sehr tolle und spannende Menschen kennen. Die „Hummeldumm“-Ängste haben sich also nicht bewahrheitet. Was mich etwas geärgert hat, war mein „zu kurzes“ Objektiv und ein Fernglas wäre wirklich praktisch gewesen. Beim nächsten Mal dann, denn ich komme wieder!

Veröffentlicht von

23, Studentin, Schreiberling, Ronja Räubertochter mit Hang zu rosa und veganer Kosmetik.

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