Von Heimweh und Fernweh

Heimat – der Ort an den man immer gerne zurückkommt, sich geborgen und sicher fühlt. Weit weg von Zuhause befällt mich hin und wieder diese gewisse Melancholie und Traurigkeit, wenn ich daran denke, was ich – zumindest für eine gewisse Zeit – zurückgelassen habe. Und gleichzeitig kann ich – trotz meinem Leben in der Fremde – Fernweh zu meinen immer wieder auftauchenden Gefühlen zählen. Erst so weit weg von der Heimat, fällt einem auf, wieviel und was es noch alles zu sehen gibt. Denn auch in einem anderen Land, nimmt irgendwann der Alltag überhand und hin und wieder kommt sogar Langeweile auf – auch bei über 30 Grad unter Palmen.

Heimweh ist ein ambivalentes Gefühl. Zum einen ist es schrecklich, sich so verloren oder sogar alleine zu fühlen. Es fehlen nicht nur die Seelenpartner, denen man alles anvertraut, sondern manchmal auch einfach Kleinigkeiten, wie das gewohnte Bett, der Duft vom Zuhause, das eigene Auto oder die Schuhe, die nicht mehr in den Rucksack gepasst haben. Zum anderen bin ich froh ab und zu an Heimweh zu leiden. So zeigt es mir doch, dass ich wundervolle Menschen kenne, die mir fehlen und mit denen ich gerne meine Zeit verbringe.
Doch vielleicht ist es manchmal gar nicht eine Heimwehmelancholie, die mich ab und an befällt, sondern vielmehr eine Angst, ob die gewohnte und vertraute Heimat nach sechs Monaten noch so da ist, wie man sie kannte. Denn auch wenn es sich so anfühlt, als ob man Familie, Freunde und Haustiere „zurückgelassen“ hat, ist es doch ganz anders als mit den Schuhen im Regal. Die Zeit in der Heimat bleibt schließlich nicht stehen und die Liebsten leben ihr Leben weiter und sind nicht einfach schockgefroren bis man wieder da ist. Werde ich mich erstmal fremd fühlen, wenn ich wieder Zuhause bin? Wer hat sich verändert? Und passe ich nach manchen Erfahrungen, die ich in der Ferne gemacht habe überhaupt noch in meine Heimat?
Abgesehen von diesen Fragen und womöglich völlig unbegründeten Ängsten, hat Heimweh letztlich sehr viel mit Gewohnheit und Fremde zu tun. Wenn sich am Anfang der Auslandaufenthaltes noch alles so ein bisschen wie Urlaub anfühlt und man wie ein Schwamm versucht alles in sich aufzusaugen, innerlich aufschreit vor Freude, weil das Taxi durch eine Straße voller Palmen fährt und der Himmel blau über einem erstrahlt, merkt man spätestens im Alltag, wie anders viele Dinge sind. Der Mensch ist eben doch ein Gewohnheitstier und sich anzupassen in manchen Punkten schwieriger, als man dachte.
Der Alltag – kaum zu glauben aber auch an Orten, wo andere Urlaub machen, taucht er schließlich auf. Nachdem man sich den Weg zur Arbeit einmal eingeprägt hat, verändert er sich auch nicht mehr sonderlich, der Kühlschrank will gefüllt werden, das Zimmer aufgeräumt und die Wäsche natürlich auch gewaschen werden. So ganz normal halt. Nur weil man ein paar Monate in „Afrika“ (ist übrigens ein Kontinent und kein Land) verbringt, sieht man nicht jeden Tag wilde Tiere, sondern Straßen, Autos, Supermärkte, Banken und Restaurants. Außerdem ist irgendwann auch die 50. Oryx-Antilope am Straßenrand keine große Sensation mehr. Bei einem längeren Auslandsaufenthalt geht es definitiv nicht um das große Abenteuer, sondern vielmehr darum Land und Leute kennenzulernen. Und so lebt man eben vor sich hin: Geht morgens zur Arbeit, macht sich Gedanken um das Mittagessen, kauft ein und ruft sich selbstverständlich eins von den „Nummern-Taxis“, von denen einem übrigens die meisten Touristenführer vehement abraten, heran für den Heimweg. Am Wochenende hängt man auch einfach mal nur faul in der WG rum und trifft sich abends mit Freunden. Alltag eben.
Und deswegen kann man auch in der Hauptstadt Namibias an Fernweh leiden und sich auf seinen nächsten Trip freuen – wie ein ganz normaler Tourist halt. Und hin und wieder ist da noch das Heimweh, weil man trotz Alltag eben doch nicht Zuhause ist.

Verfasst von

24, Studentin mit Fernweh und immer einem Buch in der Tasche.

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