Namibia: Zwischen Oryx, Dünen, Wüste und Dämmen

Mal wieder sitze ich im Auto. Namibia ist für mich das Land der weiten Entfernungen und vielen Stunden im Auto geworden. Ich sitze also auf dem Beifahrersitz unsers Mietwagens und betrachte die Landschaft, die an uns vorbeisaust. Die Schotterpiste schüttelt uns ordentlich durch und hinter uns hinterlassen wir eine Wolke aus Staub. Und dann brülle ich „Stopp! Halt mal an!“ Ein Oryx liegt am Straßenrand unter einem Baum und macht ein Mittagspäuschen. Willkommen in Namibia!

Mitte Oktober habe ich ein langes Wochenende genutzt, um zu Reisen. Es ging in den Süden, über Solitaire und Sossusvlei nach Mariental und Rehoboth und schließlich zurück nach Windhoek.

Am Freitagmorgen wurden noch die letzten Sachen gepackt, das Auto vollgeladen und dann konnte es auch schon losgehen: Raus aus Windhoek, über die B1 Richtung Rehoboth und dann viele Stunden über Schotterpisten, durch eine wunderschöne, abwechslungsreiche Landschaft.

 

Das erste große Päuschen legten wir in Solitaire ein, einer Tankstelle mit besonderem Charme, Oldtimer-Friedhof und vor allem köstlichen Apfelkuchen.
Solitaire
Dann ging es weiter durch den Namib-Naukluft National Park. Mit 50.000 km2 ist dies der größte Naturpark des Landes. Den besonderen Hartmann-Bergzebras war es – verständlicherweise – in der Mittagshitze viel zu heiß, weswegen sie sich nicht blicken ließen. Doch allein für diese beeindruckende Landschaft mit ihren riesigen Gebirgen war der Abstecher zum Naukluft-Gebirge lohnenswert.
Nach vielen Stunden kamen wir schließlich in Sesriem, dem Eingang ins Sossusvlei, an. Auf dem Sossus Oasis Campingplatz wurde das Zelt aufgebaut, Nudeln gekocht und der Sonnenuntergang bei einem kühlen Savanna (Cider) genossen. Und der Sternenhimmel im Anschluss war einfach spektakulär!
Sonnenuntergang, Sesriem
Am nächsten Morgen ging es dann früh raus in die Kälte. Nach einiger Überwindung nahm ich trotz Kälte auch meine erste Freiluftdusche mit Ausblick auf die Wüste. Währenddessen flogen kleine Vögelchen über meinem Kopf herum. Ein Traum!
Im Anschluss ging es dann ins Sossusvlei. Hierbei handelt es sich um eine große Lehmsenke, die Dünen umgeben ist. Diese zählen zu den höchsten Dünen der Welt mit bis zu 300m Höhe. Nach ca. 45 km erreichten wir unser Ziel: die Düne 45. Sie ist von der Straße gut erreichbar und daher (leider) ein beliebtes Touristenziel. Sehr viele Menschen machten sich daran die ca. 170m hohe Düne zu besteigen, was bei dem schmalen Kamm mit Gegenverkehr hin und wieder etwas unangenehm war. Ganz rauf habe ich es auch nicht geschafft, da mir meine Höhenangst in die Quere kam. Aber dieser Ausblick war einfach unvergesslich!
Düne 45, Sossusvlei
Düne 45, Sossusvlei
Düne 45, Sossusvlei
Sossusvlei
Nach einem kleinen Stück weiter mit dem Auto, machten wir einen kleinen Spaziergang ins Hidden Vlei. Zwischen kleineren Dünen, toten Bäumen und Sträuchern, habe ich hier meinen ersten Oryx von ganz nah beobachten können.
Sossusvlei 
Oryx, Sossusvlei
Schließlich ging es zurück in den Sesriem Canyon. Dort hat sich der Tsauchab-Fluss ca. 50m tief in das Gestein hineingefressen. Sehr beeindruckend, was Wassermassen hier vor einiger Zeit geschaffen haben.

Sesriem Canyon
Nach fast unerträglicher Hitze fuhren wir im klimatisierten Auto weiter zur Maltahöhe, mit einem kleinen Abstecher beim Schloss Duwisib und einigen tierischen Gefährten am Straßenrand.

Springbock
Strauss
Oryx
Oryx

 

 

Hier hatten wir ein kleines Backpackers für uns allein und gaben es nach einigen Versuchen auf, die Heringe in den Boden zu schlagen. „One big Rock“, klärte uns der Besitzer des Oahera Namib Backpackers auf. Dafür gab es genug schwere Steine und letztlich stand das Zelt auch. Und di Hunde des Besitzers wurden schnell zu meinen Spiel- und Kuschelfreunden.

Hündchen, Maltahöhe
Am nächsten Morgen fuhren wir nach Mariental zum Hardap Damm. Dieser staut den Fisch-River auf einer Länge von 30 km und bedeckt insgesamt 25km2. Er ist somit die größte Stauanlage des Landes und sichert damit die Bewässerung für Mais, Weizen, Luzerne und Dattelpalmen. Gerade komme ich aus der Wüste und stehe dann vor solchen Wassermassen. Völlig verrückt! Da der Stausee sehr fischreich ist, ist er ein beliebter Spot für Angler und viele Wasservögel.
Hardap Damm
Am Südufer des Sees gibt es ein kleines Wildschutzgebiet. Eine richtige kleine Oase! Und so schön grün!
Hardap Damm
Der Oanob Damm stellte dann das Ziel unseres Tages dar und präsentierte sich als wunderbares Paradies. Ein riesiger See mit 35 Mio m3 Wasser in einem 6.200ha großen Naturschutzgebiet. Schnell wurde ein schöner Campingplatz mit Blick auf den See ausgesucht und das Zelt aufgebaut. Für den Nachmittag hatten wir einen GameDrive gebucht. Da wir die einzigen zwei waren, hatten wir das große, offene Auto für uns und wurden wieder ordentlich durchgeschüttelt. Vorbei an Springböcken und Wasserböcken, hin zu Zebras und Gnus.
Oanob Lake
Zebras, GameDrive, Oanob Lake Resort
Den Abend verbrachten wir an unserem Campingplatz, unterm Sternenhimmel, mit Reis auf dem Gaskocher und Vino im Henkelbecher. Zeit zum Kartenschreiben, Musikhören und Entspannen. Leider fanden die Moskitos den Abend wohl auch ganz schön und sind über mich hergefallen. Dafür habe ich aber wieder eine tierische Freundin gefunden und mit einer Katze gekuschelt.
Am folgenden Tag ging es zurück Richtung Windhoek. Zunächst stand das Heroes’ Acre auf dem Programm. Dieser Heldenhacker liegt südlich Windhoeks an den Berghängen und wurde 2002 eingeweiht. Dieser Gedenkort der Helden Namibias, bzw. der Führer der SWAPO im Besonderen und allen voran Sam Nujoma, ist wirklich sehr pompös und wirkt gerade in Anbetracht der wirtschaftlichen Lage des Landes irgendwie falsch. Kein Wunder also, dass einige Namibier dem Gedenkort nichts abgewinnen können und ihn sogar kritisieren. Über dem 15m hohen Obelisken und einer Statue von einem bewaffneten Soldaten, genießt man aber einen schönen Blick über Windhoek.
Heldenacker
Im Anschluss fuhren wir zum Daan Viljoen Wildpark. Dieser liegt ca. 24 km westlich von Windhoek im Khomas-Hochland auf 2000 ü. NN. und ist 4000 ha groß. Daan Viljoen war ein Administrator von Südafrika, der sich für die Schaffung des Parks einsetzte. Wir haben uns trotz Mittagshitze die 9km Wanderung vorgenommen – ein Fehler, den ich leider mit Sonnenbrand und Hitzestich bezahlt habe. Der Höhepunkt war definitiv der Pfad durch eine Giraffenherde. Wunderschöne und anmutige Tiere! Die Wanderung war abwechslungsreich mit traumhaften Aussichten, steilen Abschnitten, vielen Gebüschen und unbarmherzig brennender Sonne.
Daan Viljoen Game Reserve
Giraffen, Daan Viljoen Game Reserve
Giraffe, Daan Viljoen Game Reserve
Etwas entspannter war der letzte Tagesordnungspunkt: Leoparden- und Gepardenfütterung auf der Düsternbrook Gästefarm. In den offenen Safari-Autos ging es zunächst in das Gepardengehege. Große Miezekatzen, die sich von unseren Guids streicheln ließen. Ich war leider zu langsam, als der Gepard neben mir, mit Pfoten an meinen Oberschenkeln, am Auto stand. Vielleicht war ich auch einfach zu beeindruckt von den riesigen Tatzen. Weiter im Leopardengehege konnte man definitiv nicht mehr von einem süßen Kätzchen sprechen – Raubtier trifft es doch besser! Mit welcher Kraft der Leopard auf den Baum sprang oder die Fleischstücke gefangen hat – wahnsinnig anmutig und kraftvoll. Ihm möchte ich lieber nicht in einem schlechten Augenblick begegnen.

Gepard, Düsternbrook Gästefarm

 

 

 

Wieder zurück in Windhoek und in meiner WG, war ich einfach unglaublich dankbar für diese wunderschönen Erlebnisse. Mit dem Alltag in Windhoek vergesse ich irgendwie manchmal in was für einem spannenden Land ich hier eigentlich bin und wieviel es zu sehen und zu entdecken gibt, denn inzwischen sind die Palmen im Vorgarten und Eidechsen an der Häuserwand fast schon normal geworden.

Verfasst von

23, Studentin, Schreiberling, Ronja Räubertochter mit Hang zu rosa und veganer Kosmetik.

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