Namibia: Swakopmund – Wenn die Wüste aufs Meer trifft

Schweigend sitzen wir in dem rumpelndem Wagen. Der Wind bläst durch die Fenster herein. Jeder starrt für sich allein aus dem Fenster und ich fühle mich wie erschlagen von der Landschaft um mich herum. Wüste, Dünen, Gesteine, Mondlandschaft, Flechtenfelder und die einzigartige Weltwitschia – der Kopf ist voll mit neuen Eindrücken und Erkenntnissen.
Nach über zwei Wochen im trockenen Windhoek wurde es Zeit für einen Tapetenwechsel. Unser Trio – Hannah, Leonie und meine Wenigkeit – zog es an die Küste nach Swakopmund.

Die Stadt ist etwa 350 km entfernt von Windhoek und daher für die Hitzemüden der Hauptstadt ein beliebtes Wochenend- und Ferienziel, denn Swakopmund ist dank dem Atlantischen Ozean eher kühl und oft neblig.

Am frühen Vormittag starteten wir mit unserer Mitfahrgelegenheit den Roadtrip und legten dabei einige Höhenmeter (Windhoek liegt auf etwa 1000 m über dem Meeresspiegel) zurück. Fast ausschließlich geradeaus führte uns die Schnellstraße vorbei an unendlicher Weiter und durch kleinere Orte. Ein paar Kilometer habe ich mich auch an das Steuer gewagt und mich im Linksverkehr geübt.
Als wir die Autofenster nach der Ankunft in Swakopmund öffneten, strömte kühle Meeresluft in den Wagen. Dann einen kurzen Abstecher zum Ozean, vorbei an Palmen und Grünflächen – eine wunderbare Abwechslung zu Windhoek.
 
 
Beim Durchfahren der Stadt, stach mir direkt der deutsche Einfluss auf Swakopmund ins Auge. An einigen Häusern sind noch die alten, deutschen Straßenschilder befestigt, ein Haus ist mit dem Schriftzug „Amtsgericht“ bemalt, viele Hotel- und Restaurantnamen sind offensichtlich deutsch („Hotel Europa Hof“) – da kann man schon etwas verwirrt sein und fragt sich, ob man hier an der Ostsee oder doch in Afrika ist. Nur die Palmen brechen die deutsche Szenerie dann doch irgendwie auf. Diese Prägung kommt vor allem durch die deutsche Kolonialzeit, in der Swakopmund sich als Eingangstor zum Land entwickelte, nachdem Hauptmann Curt von Francois 1892 an der Küste landete.
 
Handwerkskunst, Swakopmund
Nachdem Rücksäcke und Taschen bei unserer Gastgeberin Anne verstaut waren, folgte der erste Spaziergang durch die Stadt. So ganz bekam ich die deutschen Urlaubsort-Häuschen, Palmen und die Tatsache, dass wir doch eben noch durch die Wüste gefahren waren, noch nicht im Kopf zusammen. Nach einem Abstecher zu einem Markt mit afrikanischer Handwerkskunst und Souvenirs (Nein, ich habe nichts gekauft), genossen wir vier am Meer unser Mittagessen und stärkten uns für den restlichen Tag.
Nach einer längeren Runde am Meer entlang, ließen wir den Abend in der Strandbar „Tiger Reef“ mit Sonnenuntergang und Meeresrauschen ausklingen.
 
Meer, Tiger Reef, Swakopmund

 

Flamingos, Swakopmund
 
Am nächsten Tag wurde trotz Kurzurlaub allerdings nicht ausgeschlafen. Für den Vormittag hatten wir uns zu einem sportlichen Highlight aufgerafft. Manchmal muss man halt auch über den eigenen Schatten springen. Sandboarding stand auf der Tagesordnung – wie Snowboarding nur ohne Schnee. Also ging es früh im Bus mit „Alter Action Sandboarding“ raus aus Swakopmund in die Wüste. Wir fuhren und fuhren durch die flache Landschaft und ich fragte mich langsam, wo denn nun die Dünen seien, die wir runter rasen würden. Und dann, nach einer Kurze, war ich einfach nur sprachlos oder brachte nur Wörter wie „wahnsinns“, „krass“ und „wow“ hervor. Einfach atemberaubend! Strahlend blauer Himmel und dann Sand. Unendlich viel Sand, zu einem wunderschönen Kunstwerk von der Natur kreiert. Schnell die Schuhe ausziehen, den Sand zwischen den Zehen spüren und durch die Finger rieseln lassen.
 

 

 

 
Nachdem alle Teilnehmer und Instructor mit der Ausrüstung angekommen waren, ging es auch schon los. Helme, Schuhe und Boards wurden verteilt, angepasst und die ersten Hinweise erklärt. Es folgte ein anstrengender Marsch in den Sandboardingschuhen und bepackt mit dem -board auf die Spitze der Düne. Ich hätte dann auch schon wieder duschen gehen können. Aber der Spaß fing schließlich erst an. Nach dem wir unsere Sandboards gewachst hatten und eine Einführung bekamen, wurde es ernst. Füße festschnallen, eine elegante Bodendrehung im Sand und los. Natürlich landete ich einige mal im Sand, der aber zum Glück schön weich ist und Fallen daher einfach machte. Ein paar Meter schaffte ich schließlich aber auch ohne Sturz und es machte einfach richtig Spaß. Nur im Anschluss wieder auf die Düne laufen hätte ich persönlich jetzt nicht müssen, gehört aber letztlich einfach dazu und war allein für diese beeindruckende Aussicht absolut lohnenswert. Nach diesen mehr oder weniger sportlichen Höchstleistungen, schmeckten Cola und Brötchen im Anschluss wie ein 5-Gänge-Menü.
Zurück bei Anne, machten wir uns kurz frisch und schmierten uns gut mit Sonnenschutz ein, um uns für einen weiteren Höhepunkt des Wochenendes zu wappnen. Anne machte mit uns eine ganz persönliche Tour durch die Wüste, die Mondlandschaft, das Swakop-Flussbett und zeigte uns verschiedene Pflanzen, Gesteine und Berge. Der absolute Wahnsinn!
 
 
Wir begannen mit den Flechten am Boden. Denn auch wenn für mich die Wüste leblos, kahl und einfach nach „Nichts“ auf den ersten Blick aussah, gibt es unendlich viel zu entdecken. Man muss einfach genauer hinschauen, um auch die kleinen Dinge zu erkennen. Die Flechten können hier aufgrund des morgendlichen und abendlichen Nebel überleben. Sie haben sich auf dem Boden ausgebreitet und können auch längere Dürreperioden überstehen. Allerdings wachsen sie wirklich sehr langsam (nur ca. 1mm im Jahr). Aus diesem Grund bleiben Fuß- und andere Abdrücke sehr lange sichtbar, da die Flechten diese Schäden nicht innerhalb ein paar Monate oder Jahre ausgleichen können. Daher sollte man die Flechtenfelder nicht betreten und schon gar nicht befahren. So sieht man an einer Stelle noch  jahrzehntealte Ochswagenspuren.
 
Mondlandschaft, Swakopmund
Nach den kleinen Überlebenskünstlern, bekamen Sprachlosigkeit und vor allem Stille eine ganz neue Bedeutung für mich. Wir wanderten ein Stück über schmale Wege durch die Mondlandschaft. Was für eine ungewöhnliche Landschaft! Als wir zwischen den Hügeln standen, hielten wir die Luft an. Nichts. Absolut nichts. Lediglich der Wind pfiff etwas. Ansonsten absolute Stille. Spaßeshalber ließ ich einen Stein auf den Boden fallen, stampfte mit dem Fuß auf. Ein dumpfes Geräusch, als wäre der Boden hohl, war alles.
 
Mondlandschaft

 

Ein neugieriger kleiner Kerl, Mondlandschaft

 

Mondlandschaft, v.r.n.l. Hannah, Leo, Sina und Anne
Anschließend fuhren wir auf dem Weg zum Swakoptal vorbei an Bergen mit schwarzem Kamm. Es ist schwarzer Dolorit, der sich wie ein Band über die Berge zieht. Dieses Gestein, ehemals flüssige Lava, verwittert langsamer als das Umgebungsgestein.
 
Doloritgestein
Deutlich reichere Vegetation erwartete uns im Swakoptal. Im Tal des – aktuell trockenen Flusses – findet man eine Pflanzenvielfalt und vor allem verschiedene Akazienarten Namibias.
 
Die wohl älteste Welwitschia
Und schließlich zeigte uns Anne eine einzigartige Pflanze: die Welwitschia. Diese Pflanze gehört zur Gruppe der Sukkulenten und ist nur in einem schmalen Streifen Afrikas – von der Namib-Wüste bis nach Südangola – verbreitet. Die wohl älteste Welwitschia ist vermutlich 1.500 Jahre alt und damit ein lebendes Fossil. Ihr Überleben sichert diese Pflanze auf zwei Arten. Zum einen reicht ihr Stamm bis tief in die Erde und zum anderen hat sie flache, weit verzweigte, feine Haarwurzeln nah an der Oberfläche. So stellt sie ihre Wasserversorgung, sei es durch seltenen Regen und Nebel, sicher. Aufgrund der oberflächlichen Wurzeln, darf man nicht nah an die Welwitschia heran, da man diese sonst zerstören würde. Einige Pflanzen haben einen Kreis aus Steinen um sich herum, um die Touristen von der unwissenden oder einfach egoistischen Zerstörung abzuhalten. Trotzdem sah ich leider einige Fußspuren innerhalb der Steinkreise und dementsprechend auch sehr kränklich aussehende Pflanzen.
 
Augen, Ohren und Kopf waren mit dieser Menge an Bildern und Informationen schlussendlich mehr als beschäftigt und ich fühlte mich einfach vollgestopft. So blickte ich auf der Rückfahrt nach Swakopmund einfach aus dem Fenster und war unendlich dankbar diese Eindrücke sammeln zu dürfen. Gleichzeitig wurde mir mal wieder bewusst, wie wenig ich weiß, wie viel es noch zu lernen gibt und was ich noch alles sehen und kennenlernen möchte.
Auch wenn die Stadt Swakopmund selbst eher Küstenstadtcharme mit hat, gibt es drumherum noch einiges zu entdecken. Das Angebot an Touren, wie die „Living Dessert Adventures“, bei der man die sogenannten „Little Five“ sieht, das Robbenreservat „Cape Cross“, die National Parks, die Townships und so vieles mehr, gibt es noch zu erkunden. Ich komme wieder!

Veröffentlicht von

23, Studentin, Schreiberling, Ronja Räubertochter mit Hang zu rosa und veganer Kosmetik.

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