Namibia: Erste Male

Die ersten zehn Tage in Windhoek sind bereits vorüber und irgendwie habe ich schon so viel erlebt und bin trotzdem erst angekommen. Es ist eine Zeit der ersten Male. Zum ersten Mal in Namibia, zum ersten Mal hier Taxifahren, zum ersten Mal alleine zur Arbeit laufen und zum ersten Mal Feiern gehen im Nachtleben von Windhoek. Ich bin im Rausch der Erstmaligkeit und fühle mich wie ein Schwamm, der versucht alles in sich aufzusaugen.

Die Landung am Flughafen in Windhoek kommt mir schon so vor, als sei sie eine halbe Ewigkeit her. Die Taxifahrt vorbei an Affen, die an der Straße saßen, Palmen, Büschen und atemberaubender Weite, hin zu der Unterkunft für die nächsten Monate, ist in meiner Erinnerung bereits weit weg.
Nach der Ankunft und ein paar Stunden Ruhe auf dem Zimmer, ging es dann auch zur Deutschen Welle Akademie im Goethe Institut. Dank ausgedruckter GoogleMaps Wegbeschreibung zum Glück ohne Verlaufen! Auf dem Weg von Windhoek West in das Stadtinnere, kam ich mir schon etwas vor wie ein kleines Kind im Süßwarenladen. Wo schaut man zuerst hin?
Da wären die stark abgeriegelten Häuser mit ihren hohen Zäunen, die noch mit Stacheldraht verstärkt sind, oder die riesigen Palmen und Bäume mit bunten Blüten, die kleine Eidechse, die gerade durch eine Lücke im Hoftor huscht und die großen Pick-Up’s, die über die Straßen fahren und schließlich der wunderschöne, strahlendblaue Himmel.
Zum ersten Mal lebe ich woanders. Auch wenn sich in den anfänglichen Tagen hier alles noch anfühlt, wie im Urlaub. Man erkundet die Stadt, geht abends auf ein Konzert, am nächsten Tag feiern, schläft aus, hängt ein bisschen in der Unterkunft rum und genießt das warme Wetter. Doch jetzt bin ich erstmalig wirklich weit weg von der Heimat und nicht nur für ein paar Wochen Ferien, fern von meinem vertrauten Umfeld, meinen Liebsten, kurz: meinem Zuhause.
Und ich komme mir vor, wie ein Erstklässler, der zum ersten Mal im Klassenraum sitzt und noch nicht so wirklich weiß, wie der Hase läuft. So stand ich etwas hilflos am Automaten vom hiesigen Mobilfunkanbieter MTC, um das Prepaidguthaben  meines gebrauchten, retro Klapphandys aufzuladen. Nicht zu vergessen, die Schockstarre, als ich das erste Mal eine stark befahrene Kreuzung überqueren wollte und einfach nicht wusste wie. Dann die vielen, neuen Leute, die man zum ersten Mal trifft, miteinander spricht und versucht sie besser kennenzulernen.
Erste Male, ein immer wieder auftretendes Gefühl der Unsicherheit, raus aus der Komfortzone und über sich hinauswachsen. Eigentlich eine eher beängstigende Zeit, doch fühle ich mich unheimlich wohl und versuche mit offenen Augen und offenem Herz den kommenden ersten Malen entgegenzulaufen.

Verfasst von

24, Studentin mit Fernweh und immer einem Buch in der Tasche.

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