Was, wenn alles gut geht?

Wir malen Luftschlösser in den Himmel, setzen uns Ziele, erträumen den ganz großen Erfolg. Gehen dabei hin und wieder über Stock und Stein, denken daran aufzugeben, fallen und stehen wieder auf. Dann wagen wir es. Stürmen mit dem Kopf durch die Wand. Machen den mutigen Schritt ins Ungewisse. Und was dann? Was, wenn alles gut geht?

Motiviert von großen Zielen, scheinen wir manchmal mit Scheuklappen durch das Leben zu gehen. Immer mit dem Blick in die Zukunft. Volle Kraft voraus. Dabei fühlt sich der Erfolg noch meist so weit weg an, dass man sich gar nicht überlegt hat, was dann passiert. Was man macht, wenn alles gut geht.
Betrachtet man den Weg hin zu seinen Träumen als einen Berg, müsste dann schließlich Schluss sein, wenn man ganz oben angekommen ist. Oder kann es etwa immer höher gehen?
Das Internet ist voll mit Tipps und Tricks dafür, wie man seine Ziele erreicht, aber niemand schreibt davon, was man machen soll, wenn man oben angekommen ist. Warum eigentlich? Weil wir uns dann gleich den nächsten Aufstieg vornehmen, nur kurz die Wanderschuhe fester schnüren und direkt weitermachen? Oder genießen wir dann friedlich die völlige Glückseligkeit? Ziel erreicht. Ende der Geschichte.
Wohl kaum. Nach der Abschlussfeier in der Grundschule haben wir schließlich auch nicht aufgehört. Weiterbildende Schule, Studium oder Ausbildung, Bewerbungen schreiben,  Praktika, der erste Job… Und dann hat das Leben schließlich noch viel mehr zu bieten als den beruflichen Zweig: Familie, Liebe, Hobbys, Sprachen lernen, Reisen… Vielleicht wandern wir im Leben gleich über mehrere Berge und finden immer einen neuen spannenden Felsbrocken.
Gleichzeitig gibt es diese Angst davor, was dann ist, wenn alles gut geht. Auch wenn der jeweilige Weg nicht immer bequem ist, so gewöhnt man sich doch mit der Zeit an ihn. Eine Komfortzone der etwas anderen Art. So ist mein Studium zwar gerade in den Prüfungsphasen anstrengend, aber ich weiß im Grunde was ich da mache. Das Ausleihen von Büchern in der Bibliothek lässt mir nicht mehr den Angstschweiß den Rücken runter laufen, ich kenne einige Abkürzungen und weiß, wo es guten Kaffee gibt. Die Vorstellung mit der Uni eines Tages fertig zu sein und in das Berufsleben zu starten, motiviert mich zwar einerseits, gruselt mich aber genauso sehr.
Und was, wenn alles gut geht, wir aus dem Wald heraustreten, ganz oben stehen und dann merken „Das ist es nicht!“? War dann alles umsonst? Die ganze Zeit, der Schweiß und die Kraft? Lange Zeit dachte man beispielsweise genau dies sei das richtige Studium, die richtige Ausbildung oder der richtige Job für einen, hat viel investiert und träumte sich die schönste Zukunft aus und dann merkt man erst, wenn man schon am scheinbaren Ziel angekommen ist, dass es ein Fehler war. Daran zu denken „was passiert, wenn alles gut geht“, hat man nämlich vergessen, sondern nur an den Weg selbst gedacht. Das sagt einem schließlich auch jeder oft genug, denn der Weg ist bekanntlich das Ziel.
Und wie Recht diese Weisheit doch hat! Daran zu glauben, dass alles gut geht, macht uns mutig, lässt uns was riskieren, nach Misserfolgen wieder aufstehen und an das Unmögliche glauben. Und wenn wir es auf den Gipfel geschafft haben und merken „Das ist es nicht!“, kehren wir eben um, in der Hoffnung, dass alles gut geht.
 

Veröffentlicht von

23, Studentin, Schreiberling, Ronja Räubertochter mit Hang zu rosa und veganer Kosmetik.

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