BARBARA – kein normales Frauenmagazin?

Barbara Schöneberger gibt es jetzt zum Kaufen. Meine liegt hier neben mir. Ich blättere sie durch. „BARBARA“ ist ihre eigene Zeitschrift. Kein normales Frauenmagazin soll es sein. Ohne Diäten, Workouts und To-do-Listen. Dafür verspricht es, das Leben ein bisschen einfacher, ein bisschen raffinierter, ein bisschen schöner zu machen. Ganz ohne Druck.

Barbara Schöneberger ist eine Power-Frau: Moderieren, Schauspielern, Singen, Werben und jetzt auch noch eine Zeitschrift. Warum? Im Editorial erklärt sie ausführlich ihre Beweggründe: „In vielen Magazinen läuft es immer gleich. Vorn wird dazu aufgerufen, sich einfach so zu akzeptieren, wie man ist. Drei Seiten weiter gibt’s die Herbst-Diät, mit der man fünf Kilo in nur drei Tagen verlieren soll. Und ab Seite 40 kommen dann die schönsten Cupcake-Rezepte mit zusammengenommen 85 000 Kalorien!!!“ Sie hat Recht. Wie soll man das ernst nehmen??? Ironisch kritisiert sie die typischen Inhalte von Frauenmagazinen, die einem an einem 15-jährigen Model zeigen, wie man eine perfekte Bikinifigur kriegt, wenn man sich jeden Tag nur drei Minuten beim Zähneputzen auf die Zehenspitzen stellt. In „BARBARA“ dagegen seien wir unter uns und könnten zugeben, dass man im Leben nicht alles erreichen müsse, auch nicht Größe 36. Es soll eine Zeitschrift sein aus dem richtigen Leben. 
 
 
Große Versprechungen, jetzt aber erstmal zu den Hard-Facts: Das Magazin kostet 3,80€. Es erscheint monatlich und jede Ausgabe soll einen bestimmten Schwerpunkt behandeln. Die Novemberausgabe dreht sich passend vor allem um „Das erste Mal – Premieren, Neustarts, Mutproben.“ Die 204 Seiten haben jedoch mehr zu bieten: Natürlich ohne Make-Up, einen Menschen verlieren, atemlos durch die Nacht. Der Inhalt gliedert sich auf in Leben, Mode, Beauty, Food, Home und Reise. Wobei die erste Rubrik den größten Raum einnimmt. Die Startauflage beträgt 350 000.
Die Zweifachmutter und Botschafterin für weibliche Unperfektion als Gesicht des neuen Frauenmagazins von Gruner + Jahr zu platzieren, erscheint schlüssig und passt zu dem versprochenen Weg, den das Magazin einschlagen soll: Anders sein, als die typischen Diät-Mode-Rezepte-Horoskop-Heftchen. Das Titelbild jedoch zeigt eine perfekt gestylte Barbara Schöneberger mit windverwehtem Haar im typischen Cover-Model Stil. Passt das zusammen?
 
 
Auf den überraschenden Eröffnungsartikel folgt der Wunschzettel des Monats, mit den typischen Produkttips und Trends. Zwischen den einzelnen Inhalten hat natürlich eine Menge Werbung Platz gefunden. Bewegend ist die Fotostrecke über Menschen, die zum ersten Mal einen nahestehenden Menschen verloren haben. Hier sehen normale Menschen vor der Kamera, dick, dünn, alt und jung. Die folgenden Tipps fürs erste Date würde man zwar eher in einer Teenie-Zeitschrift erwarten, doch sind Text und vor allem die Bilder sehr schön präsentiert und humorvoll verfasst. Das Interview mit Sarah Connor verrät private Anekdoten der Sängerin und ihrer Gesprächspartnerin Barbara Schöneberger. Bei dem „Experiment“ in der Novemberausgabe übernahm eine Single-Frau einen Tag lang die Mutterrolle in einer sechsköpfigen Familie. Wenn auch sehr lang, liest sich der Text wirklich gut.
Sex darf in einer Frauenzeitschrift natürlich nicht fehlen. In „BARBARA“ haben die Redakteure es jedoch geschafft, das Thema mal etwas anders und ehrlich aufzubereiten: „Leidenschaft ist etwas Wunderbares. Nur leider so flüchtig wie ein Windstoß. Da helfen auch keine Sextipps. Aber manchmal gibt es diese Nächte, in denen man sich etwas Neues traut, und dann – bämm!“ Die Leser erwartet unter anderem eine Erzählung vom Dreier mit der besten Freundin, von Selbstbefriedigung als Kreativquelle und ein Interview mit einer Gründerin eines Online-Sexshops. Die Fotostrecke des Fotografen Dougie Wallace zeigt das Feier-Gemetzel der Junggesellinnenabschiede im englischen Blackpool. Die Bilder sind wirklich der absolute Hammer! Mal urkomisch, mal irritierend/ zum Fremdschämen. In „Alles auf eine Karte“ gibt es Dinge, die auf dem Lehrplan des Lebens ausgelassen wurden, im praktischen Kartenformat zum Ausschneiden. In dieser Ausgabe: Eine Beziehung erwachsen beenden, ein Fest ausrichten, falsch angezogen Haltung bewahren und den Mund aufmachen. Wieder mit einer Prise Humor und in schickem Design.
 
 
Im Kulturteil gibt es die klassischen Kino-, DVD-, Buch- und Musiktipps. Die Fotostrecke mit Kellie Gerardi ist ein Schmankerl für die Augen und sorgt für die nötige Abwechslung. Das die beiden Frauen, die sich oben ohne – also ohne Make-Up – haben fotografieren lassen, wirklich so gut aussehen, will man kaum glauben. Hier verblasst das vorher so mitreißende Versprechen im Editorial etwas. Da wurde doch bestimmt gephotoshopt und perfekt ausgeleuchtet. Andernfalls hänge ich gleich den Spiegel ab, damit ich meine „Oben-Ohne-Wahrheit“ nicht jeden Morgen ertragen muss. Als beste Therapie gegen graues Wetter, haben sich die Redakteure knallige Leuchtlippen in Kirsche, Paprika und Pflaume ausgedacht. Das würde ich in meine 5 Tipps für den Herbst noch einfügen. Die Lippenstifte sehen wirklich super aus. Abgesehen von dem Lipstick Nr. 675 von Artdeco sind jedoch alle zwischen 24 und 37 Euro. Hier wären ein paar Vorschläge für den „normalen“ Geldbeutel schön. Nach der Rubrik Beauty kommen wir dann endlich auf Seite 151 zum Essen! Herzhafter Schweinebraten, ganzer Hummer mit frischem Knoblauch und Zitronenbutter, Rinderrouladen werden hier als herzhafte Gerichte angeboten. Hallooo?! Vegetarier vergessen!!! Die sehr schön gestalteten Seiten rund um das Thema Home leisten jedoch ein bisschen Wiedergutmachung. Die Inhalte und Fotos zu Kapverden machen Lust zu Reisen. Zum Abschluss wird noch ordentlich Dampf abgelassen. In „bitte recht feindlich“ lässt sich Autorin Karina Lübke bissig darüber aus, dass Frauen immer höflich gucken sollten, damit sie die öffentliche Ordnung nicht stören. Nicht schlecht! 
 
 
Nummer 2 von „BARBARA“ wird am 3. Dezember erscheinen und thematisiert „Beste Freunde – Geschichten über ewige Freundschaft, Obsessionen und Leidenschaften“.
Ich finde die Zeitschrift wirklich schön aufgemacht, abwechslungsreich, bunt, elegant. Manche Themen sind tatsächlich anders oder zumindest anders aufbereitet. Nicht so typisch Frauenheftchen. Besser als viele andere, die ich bereits in der Hand hatte. Kein normales Frauenmagazin? Etwas ganz besonderes? Ich denke nicht. Es hebt sich ab, aber hebt sich nicht wirklich hervor. Es gibt ein paar Dinge, die ich kritisiert habe. Zusammenfassend finde ich die Zeitschrift dennoch gut und würde sie mir wieder kaufen. Unterm Strich gewinnt „BARBARA“ für mich.





Verfasst von

23, Studentin, Schreiberling, Ronja Räubertochter mit Hang zu rosa und veganer Kosmetik.

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