Tomsk – die ersten Eindrücke

Die Straße ist voller Autos. Einige von ihnen sehen für unsere Verhältnisse nicht mehr fahrtüchtig aus. Es stinkt nach Abgasen. An den Bushaltestellen stehen viele Studenten. Es ist kalt. Verdammt kalt. Dennoch tragen viele Frauen kurze Röcke oder Kleider – natürlich haben ihre Schuhe hohe Absätze. Seit Montagmittag bin ich in der sibirischen Stadt Tomsk, die nicht nur „typisch russisch“ ist.


Die Stadt Tomsk ist eine Großstadt in der Oblast Tomsk und liegt im Westteil Sibiriens. Die Einwohnerzahl beträgt eine halbe Million. Hiervon machen Studenten einen großen Teil aus, denn es gibt mehrere Universitäten. 

Geschichte

Die Stadt wurde 1604 auf Befehl des Zaren Boris Godunov gegründet. Die Festung wurde von den aus Surgut entsandten Kosaken am Ufer des Flusses Tom‘ errichtet. Später entwickelte sich die Stadt, die am sibirischen Trakt gelegen war, zu einem wichtigen Handelszentrum.

Anton Pavlovich Chechov

Am Montagmittag erkundeten wir in kleinen Gruppen die Stadt. Hierbei trafen wir am Ufer des Flusses Tom‘ auf das Chechov-Denkmal. Er äußerte sich 1890 sehr negativ in seinem Tagebuch über die Stadt Tomsk: „Tomsk ist keinen Kupfergroschen wert […] Und die Leute sind Langweiler […] Die Stadt ist nie nüchtern. Es gibt überhaupt keine hübschen Frauen, asiatische Rechtlosigkeit […] Unbeschreiblicher Straßendreck […].“ Positiv sprach er lediglich von einem Restaurant: „Die Mittagsspeisen sind aber opulent, im Gegensatz zu den mageren Frauen.“ 2004 entstand das eigenwillige Denkmal mit dem Titel „Anton Pavlovich in Tomsk aus Sicht eines im Straßengraben liegenden Betrunkenen“. Damit ist es die „späte Rache“ Tomsks.

Universitätsstadt

Während der Erkundungstour, kamen wir auch an den Universitäten Tomsks vorbei. 1888 wurde Tomsk die erste Universitätsstadt Sibiriens. Es fällt auf, dass es nur wenig Möglichkeiten zum Sitzen im Freien gibt. Während die Bäume und vielen Wiesen noch grün und die Blumen bunt sind, verrät zumindest dieser Aspekt, wie kalt es hier im Winter wird.

Das Russisch-Deutsche Haus

Schließlich kamen wir in unserem Seminarhaus für die nächsten Tage an: dem Russisch-Deutschen Haus. Es ist ein wunderschönes, blau-weißes Holzhaus. Hier sind fast alle Gesellschaftsorganisationen der Russlanddeutschen der Oblast Tomsk vereinigt. Wir beschäftigen uns in den Räumen mit dem Thema Stadt.

Holzhäuser

Tomsk ist unteranderem durch die vielen guterhaltenen Holzhäuser bekannt. Diese zeichnen sich durch die kunstvollen Schnitzereien, verspielter Architektur mit Zwiebeltürmchen und Kuppeln aus.

Am Dienstagnachmittag trafen wir uns in einer Tatarensiedlung mit einer jungen Lokaljournalistin, die sich für die Erhaltung der Holzhäuser einsetzt. So gibt es immer wieder Konflikte um Bauvorhaben, die diese bedrohen. In den 90er Jahren wurden Holzhäuser zum Beispiel verbrannt, um Platz für höhere und größere Häuser zu haben. Sie erzählte uns von heutigen Problemen und wie sie eine Informationskampagne startete.

Die Stadt und seine Bewohner

Bis jetzt hat mich Tomsk noch nicht in seinen Bann gezogen bzw. mit seinem Charme verzaubert. Für mich prägen immer noch Kontraste zwischen Alt und Neu das Bild der Stadt. Schicke, starkgeschminkte Frauen laufen in ihren hohen Hacken vorbei an Müllbergen und Bruchbuden. Andererseits spürt man das harte Leben hier, die Vergangenheit und möchte mehr über die Geschichte erfahren…
Jetzt ist es hier schon sehr spät und ich muss ins Bett. Morgen früh geht es wieder in dieses süße Café zum Frühstücken!!!

Verfasst von

23, Studentin, Schreiberling, Ronja Räubertochter mit Hang zu rosa und veganer Kosmetik.

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