Buchtipp: Im Meer schwimmen Krokodile

„Drei Dinge darfst Du nie im Leben tun, Enaiat, aus keinem Grund: Erstens, Drogen nehmen. Zweitens, zu den Waffen greifen. … Drittens, stehlen. … Und merke dir, dass es sich immer zu leben lohnt, wenn man einen Wunsch vor Augen hat wie ein Esel eine Karotte.“
Am nächsten Morgen war seine Mutter verschwunden. Sie hat Enaiat außer Landes geschmuggelt, mehr kann sie für ihn nicht tun.

Das Buch „Im Meer schwimmen Krokodile“ von Fabio Geda, erzählt die Geschichte des jungen Afghanen Enaiat, der auf der Suche nach einem besseren Leben ist. Er flüchtet gemeinsam mit seiner Mutter aus einem kleinen Dorf in Afghanistan vor den Taliban. Im ersten Kapitel erzählen viele Rückblenden von dem Leben der Familie in der Heimat. Als Hazara, also Afghanen schiitischer Glaubensrichtung, werden sie von den Taliban verfolgt. Das Buch beschreibt, wie die Schule geschlossen, die Lehrer von den Taliban vor aller Augen erschossen werden und wie der Vater von sunnitischen Paschtunen gezwungen wird Waren in den Iran zu bringen. Als Enaiat etwa sechs Jahre alt ist, kommt sein Vater bei einem Raubüberfall ums Leben. Um ihre finanziellen Verluste auszugleichen, forderten sie von Enaiats Mutter ihnen ihre Söhne als Sklaven zu geben. Also beschließt sie Enaiat über die Grenze in Sicherheit zu bringen.
Kampf ums Überleben
Doch in Sicherheit ist er noch lange nicht. Nachdem sie wieder zu den übrigen Geschwistern zurückgekehrt ist, muss Enaiat sich alleine durchschlagen. Er sucht sich Arbeit, ist fleißig und aufgeweckt. Mal arbeitet er als Schwarzarbeiter auf einer Baustelle, wird von der Polizei erwischt und abgeschoben, bezahlt Schmuggler, wandert mehrere Wochen über Berge in ein Nachbarland, kauert Tagelang in einem LKW und versucht mit einem Schlauchboot bei hohen Wellen an die andere Küste zu gelangen.
Enaiat hatte Glück. Er schafft es schließlich nach Italien. Nach vielen Jahren und einer beschwerlichen Reise über Pakistan, Iran, Türkei und Griechenland. Er schlief in Parks, wurde verprügelt und verlor lieb gewonnene Freunde.

„Inzwischen hatte ich einen Punkt erreicht, an dem es kein Zurück mehr gibt, wie es so schön heißt.“

 

Als Leser bleibt man sprachlos zurück. Man ist erstaunt bei der nüchternen Erzählweise, die oft nur erahnen lässt, wie groß die Verzweiflung, die Ängste wirklich waren.
Eine wahre Geschichte
Fabio Geda lernte eines Abends bei einer Lesung Enaiatollah Akbari kennen, der ihm seine Geschichte erzählte. Daraus entstand dieses Buch.
„Wie kann man so mir nichts, dir nichts sein Leben ändern, Enaiat? Sich an einem ganz normalen Vormittag verabschieden?
Man tut es einfach, Fabio, und denkt nicht weiter darüber nach. Der Wunsch auszuwandern entspringt dem Bedürfnis, frei atmen zu können. Die Hoffnung auf ein besseres Leben ist stärker als alles andere.“
Immer wieder wird das Buch durch die kurzen Dialoge zwischen Geda und Akbari unterbrochen. Sie verdeutlichen den großen Unterschied der zwei Sichtweisen: Auf der einen Seite die Europäer, die oft nur wenig über die Beweggründe von Flüchtlingen wissen und auf der anderen Seite der Flüchtling, der sein bisheriges Leben aufgibt und von einem friedlichen Leben in Europa träumt.
Fazit
Aufgrund der gerade vielfach diskutierten Flüchtlingsproblematik, ist das Buch hochaktuell! Ich kann es nur jedem wärmstens ans Herz legen, dieses Buch zu lesen. Es verändert die Sichtweise und lässt Empathie wachsen, für die Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um nach Europa zu gelangen. Die Schreibweise Gedas ist klar und macht das Lesen zum Genuss. In einem Zug hat man das Buch durch… auch wenn ich es ehrlich gesagt ein paar Mal zur Seite legen musste, weil mich die Geschichte sehr berührte. Diese Lebensgeschichte macht einen einfach sprachlos. Trotz so viel Leid, sieht der Protagonist immer noch Positives im Leben. Ein Roman, der ans Herz geht!

Veröffentlicht von

23, Studentin, Schreiberling, Ronja Räubertochter mit Hang zu rosa und veganer Kosmetik.

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