Buchtipp: Der Heckenritter von Westeros

„Einem wahren Ritter gilt die Ehre mehr als Geld und Macht.“ Und genau davon handelt das Buch „Der Heckenritter von Westeros – Das Urteil der Sieben“, von George R. R. Martin. Dieser ist vor allem bekannt durch das Epos „Game of Thrones“. 

In dem Buch sind die drei Kurzgeschichten „Der Heckenritter“, „Das verschworene Schwert“ und „Der geheimnisvolle Ritter“ abgedruckt. Die Handlung spielt etwa ein Jahrhundert vor der Bestsellersaga „Das Lied von Eis und Feuer“, weswegen ich die Bezeichnung „Vorgeschichte“ etwas irreführend finde. Dazu später aber mehr.


Inhalt

In „Das Urteil des Sieben“ geht es um den Knappen Dunk, der das Schwert seines verstorbenen Herren Ser Arlan von Hellerbaum an sich nimmt, um an einem Turnier teilzunehmen. Er nennt sich fortan Heckenritter „Ser Duncan der Große“, womit er seine körperliche Statur sehr passend zum Ausdruck bringt. Mit seinen 16 oder 17 Jahren – niemand war sich bei dem Waisenjungen aus Flohloch da so ganz sicher – maß er schon über zwei Meter. In einem Gasthaus, auf dem Weg zum Turnier in Aschfurt, trifft er den Jungen Ei, der fortan sein Begleiter und treuer Knappe ist. Doch der Junge mit den geschorenen Haaren, ist von reinerem Blut als Dunk ahnt. „Dunk der Dummkopf, blöd wie eine Burgmauer.“ Bei dem Versuch, sich einen Platz im Turnier zu ergattern, macht Dunk sich jedoch ebenso viele Feinde wie Freunde. Und sein Ehrempfinden wird ihm fast zum Verhängnis, als er eine Puppenspielerin vor dem Prinzen Aerion verteidigt. Nur ein Urteil der Sieben bewahrt ihn davor Fuß und Hand zu verlieren. Dennoch muss er dem Tod noch einige Male von der Schippe springen. 

Kritik

Das Buch hat definitiv einige spannende Stellen und ich konnte es innerhalb weniger Tage durchlesen. Der Lesefluss wird jedoch immer wieder behindert durch eine Vielzahl an Namen, Familiengeschichten und Kriegserzählungen. Hier kommt man sehr leicht durcheinander und versteht somit oftmals nur schwer die komplizierten Beziehungen. Durch überraschende Wendungen, lohnt es sich meiner Meinung nach aber dennoch das Buch zu lesen. Außerdem ist man diesen Schreibstil des Autoren schließlich schon gewohnt.
Neben den ausführlichen Ausführungen zu Namen und Familien, fallen auch die detaillierten Beschreibungen von Gewändern, Lanzen, Schlachtrössern, Gerüchen, Schildern etc. auf. Besonders die Heraldik hat einen großen Stellenwert in den drei Kurzgeschichten.  
Wie oben bereits angedeutet, werden die drei Novellen dem Begriff „Vorgeschichte“ jedoch nicht wirklich gerecht. Zwar kommen viele aus „Das Lied von Eis und Feuer“ bereits bekannte Häuser vor, allerdings trifft man auf keine bekannten Charaktere. Lediglich auf ihre Vorfahren. Weshalb es noch eine „Vor-Vorgeschichte“ für mich darstellt. Ich hatte vor dem Lesen einfach ganz andere Erwartungen. Enttäuscht war ich aber nicht, denn dieser tiefe Einblick in die Geschichte der „Drachen“ ist sehr interessant. Außerdem bietet sich das Buch so auch für Leser an, die noch nicht mit „Game of Thrones“ in Berührung gekommen sind, denn es kann völlig selbstständig für sich stehen. Die Handlung dreht sich schließlich vor allem um den Heckenritter, dem die Ehre eines Ritters noch etwas bedeutet. Weitere Novellen – die hoffentlich noch folgen werden – bauen vermutlich eine Brücke zu dem Epos „Das Lied von Eis und Feuer“ und werden so die Erwartung einer „Vorgeschichte“ erfüllen.  
Im Vergleich zu „Game of Thrones“ ist die Handlung linearer, denn es gibt nur den Handlungsstrang um Dunk und Ei, gespickt mit Erzählungen aus der Vergangenheit und kurzen Gedankeneinschüben des Heckenritters. So konnte ich eine nähere Bindung zu den Hauptpersonen aufbauen, als dies bei dem großen Epos der Fall ist.
Die beiden Figuren Dunk und Ei haben mich zudem häufig zum Schmunzeln gebracht und so gut unterhalten. Dunk und sein Ungeschick mit Frauen und Ei mit einer größeren Klappe, als ihm gut tut. 
Nahezu alle Figuren sind besonders liebevoll gestaltet und nicht lediglich schwarz-weiß. Dies macht die Charaktere für mich sehr interessant und baut Empathie auf.

Fazit

Für mich hat George R. R. Martin mit „Der Heckenritter von Westeros“ bewiesen, dass er auch spannende, lineare Handlungen schreiben kann. Man erfährt viel über die Häuser und Streitereien um den eisernen Thron und fiebert doch vorrangig mit dem einfachen Heckenritter mit, der immer wieder in Probleme stolpert. Dies macht für mich gerade den besonderen Charme dieses Buches aus. Ich kann es jedem empfehlen, wenn ich auch klar sage, dass es nicht an „Das Lied von Eis und Feuer“ heranreicht. 

Verfasst von

24, Studentin mit Fernweh und immer einem Buch in der Tasche.

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