Lebensmittelverschwendung – Sind wir moralisch verpflichtet zu „fairantwortlichem“ Konsum? (Teil 2)

III. Die Beziehung zwischen Mensch und Natur

Unser achtloser Umgang mit Lebensmitteln ist nur eine Folge und ein Symptom der komplizierten Beziehung zwischen Mensch und Natur. Wie bereits in Teil 1 angesprochen, stellt sich die Frage, ob Völlerei und Wegwerfen Macht bedeuten und ob diese Macht gegenüber Nahrungsmitteln eine Folge der Gewalt gegenüber der Natur darstellt.

„Was wir in Bezug auf unsere Umwelt unternehmen, hängt von unseren Vorstellungen über das Verhältnis zwischen Mensch und Natur ab.“ Im Folgenden wird aufgezeigt, welche verschiedenen Auffassungen der Beziehung zwischen Mensch und Natur existieren, um zu versuchen, eine Erklärung für unser Verhalten bezüglich der Verschwendung von Lebensmitteln zu finden. 

Der Philosoph Lynn White schreibt, dass die ökologische Krise, die einer selbstherrlichen Manipulation der Natur mit den effizienten Mitteln der Technik und Naturwissenschaft sei. „Sowohl die Entstehung der modernen Wissenschaft und Technik als auch der Geist, in dem sie angewandt werden, lassen sich auf charakteristische Eigenarten der christlichen Lehre zurückzuführen.“
„Der christlichen Tradition zufolge erhielten die Menschen bei ihrer Erschaffung den Auftrag, die Erde zu erfüllen, zu beherrschen und sie sich untertan zu machen (Gen 1, 26ff.).“ Der Mensch gilt als höchstes Schöpfungswerk und ihm wird deshalb zugesprochen, dass er zur Naturbeherrschung prädestiniert sei. So ist der Mensch nicht lediglich ein Teil der Natur, er wurde vielmehr nach Gottes Bilde geschaffen. Auch in der Tatsache, dass Adam den Tieren ihren Namen gab, kommt die Überlegenheit des Menschen zum Ausdruck. „Gottes Schöpfung zielt einzig und allein auf das Wohlergehen des Menschen ab.“ Während im klassischen Altertum jeder Baum, jeder Bach und jede Pflanze einen Schutzgeist hatte und es vor dessen Nutzung notwendig war, den zuständigen Geist zu besänftigen, schuf das Christentum, indem es die heidnische Naturbeseelung zerstörte, die Voraussetzungen für eine Ausbeutung der Natur. „Die tatsächliche Alleinherrschaft des Menschen über den Geist hatte begonnen, und die alten Verbote über die Ausbeutung der Natur gerieten in Vergessenheit.“

Nachdem die Natur in der frühchristlichen Kirche als ein symbolisches System verstanden wurde, durch welches Gott zu den Menschen spricht, schlug die Naturphilosophie zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine ganz andere Richtung ein. „Sie war nicht mehr der Schlüssel zu der göttlichen Botschaft an die Menschen, sondern sie suchte Gottes Absichten zu erkennen, indem sie herausfand, wie seine Schöpfung funktioniert.“ In der Folge erklärten Naturwissenschaftler jahrhundertelang, dass es die Aufgabe der Wissenschaft sei, Gottes Gedanken nachzuvollziehen.

„Die frühneuzeitliche Philosophie übernimmt von der christlichen Überlieferung die Vorstellung vom Menschen als Beherrscher und Besitzer der Natur.“ So führen die Naturwissenschaften Descartes zufolge zu Erkenntnissen, die die Menschen zu Herrn und Eigentümer machen könnten. In der Folge ging Francis Bacons davon aus, dass Naturbeherrschung der menschlichen Wohlfahrt zugunsten kommen werde. Dieser Wohlfahrtsgedanke hat besonders im Hinblick auf die Rolle der Wirtschaftswissenschaften in Verbindung mit der Naturkrise große Bedeutung. Hier geht es für rationale Akteure darum, ihren eigenen Nutzen intelligent zu maximieren. „Natur zählt ökonomisch nur, sofern sie zur Wohlfahrt beiträgt.“ Diese Auffassung entwickelte sich weiter. „In der ökonomischen Theorie setzt sich im 19. Jahrhundert die Auffassung durch, dass Natur nur als Rohstoff und Boden von Interesse sei […].“ In einigen Modellen, kann ein wachsender Wohlstand nur mit dem Abbau von Naturkapital einhergehen, da die Modelle davon ausgehen, dass die Akkumulation von Sachkapital Naturzerstörung wohlfahrtstheoretisch ausgleiche.

„Die derzeitige zunehmende Zersetzung unserer gesamten Umwelt [und damit auch unser Umgang mit unseren Nahrungsmitteln] [sind] das Resultat einer dynamischen Technik und Naturwissenschaft, die sich in der mittelalterlichen Welt des Abendlandes herausbildete […].“ Lynn White zieht daraus die Schlussfolgerung, dass wir weiterhin in einer sich verschlimmernden ökologischen Krise leben, bis wir den christlichen Grundsatz verwerfen, dass die Natur keine andere Existenzberechtigung hat, als dem Menschen zu dienen. Nach ihm müsse Franz von Assisi als Schutzpatron der Ökologen gelten. Dieser „bot eine alternative christliche Vorstellung von der Natur und der Beziehung des Menschen zu ihr: Er versuchte die Idee von der unbegrenzten Herrschaft des Menschen über die Schöpfung durch die Idee von der Gleichheit aller Geschöpfe zu ersetze“.

IV. Haben wir eine moralische Verantwortung? 

Welches Ausmaß und welche Auswirkungen Lebensmittelabfälle haben, wurde bereits aufgezeigt. In diesem Abschnitt soll auf die ethischen Aspekte der Lebensmittelabfälle eingegangen werden, um die Frage zu beantworten: Sind wir moralisch verpflichtet zu „fairantwortlichem“ Konsum? Dabei wird differenziert zwischen verschiedenen Adressaten und schließlich auf den Konsum selbst eingegangen. 

1. Gegenüber der Umwelt 

„Die Produktion von Lebensmitteln hat negative Folgen für die Umwelt.“ Wenn Lebensmittel einfach vergeudet werden, trägt dies zu einer Verschwendung von Ressourcen bei und führt so zu einem großen Druck auf die Ökosysteme: Wüstenbildung, Verschmutzung von Luft, Boden und Wasser, Klimawandel sind nur ein paar der vielen negativen Folgen. Wir gehen demnach respektlos mit Organismen, Ökosystemen und der Biosphäre um, die uns die Nahrung in erster Linie zur Verfügung stellen. Essen zeigt die grundlegende Art und Weise wie Menschen mit der Mehr-als-menschlichen Natur interagieren, die sie für ihr eigenes Leben benötigen. Indem wir Lebensmittel verschwenden/ wegwerfen machen wir deutlich, dass wir Natur lediglich als ein Objekt sehen und ihr nur einen instrumentellen Wert zusprechen.

Es fragt sich, ob die Natur ein schützenswertes Gut darstellt. Hier stehen sich zwei grundsätzliche Seiten gegenüber: Zum einen die Meinung, dass wir die Natur aufgrund unseres Vorteils, also aufgrund von Gesundheit, Nutzbarkeit und Heimat schützen sollten. Zum anderen, dass die Natur selbst einen Wert besitzt und allein deshalb geschützt werden sollte. Aus einer anthropozentrischen Ansicht aus, beziehen sich alle Pflichten gegenüber der Natur letztlich auf den Menschen. „Zwar mögen wir in Ansehung der natürlichen Ökosysteme und biotischen Gemeinschaften auf unserem Planeten Verantwortung tragen, aber diese […] gründe sich allemal auf den zufälligen Umstand, daß unser Umgang mit den natürlichen Ökosystemen und biotischen Gemeinschaften zur Verwirklichung menschlicher Werte und/ oder menschlicher Rechte beiträgt.“

Der Philosoph Paul W. Taylor setzt diesem anthropozentrischen Systemen ein biozentrisches System ökologischer Ethik entgegen. „Aus der Perspektive einer biozentrischen Theorie haben wir Prima-facie-Pflichten, die wir wilden Pflanzen und Tieren als Mitgliedern der Gemeinschaft alles Lebendigen schulden.“ Wir seien moralisch verpflichtet, ihr Wohl um ihretwillen zu schützen oder zu fördern. Diese Verpflichtung ergebe sich aus der Anerkennung des inhärenten Wertes aller Lebewesen in der Natur.

Um den Rahmen dieses Artikels nicht zu sprengen, wird nicht weiter auf die Kritik an der anthropozentrischen Sichtweise eingegangen. Fest steht jedoch, dass wir die Natur mit unserem Konsumverhalten ausbeuten und uns so schließlich nur selbst schädigen. Diese anthropozentrische Argumentation wird im nächsten Abschnitt aufgegriffen. 

2. Gegenüber den Menschen

Die Verschwendung von Lebensmitteln und die mit ihr einhergehenden Folgen wirken sich in verschiedener Weise auf den Menschen aus. Zum einen zerstören wir uns langfristig mit unserer Konsum- und Wegwerfmentalität selbst. Die Verschwendung von Ressourcen, der Klimawandel, die Verschmutzung von Luft und Wasser, die riesigen Massen an Müll und Schadstoffen – all diese Auswirkungen unseres Verhaltens wirken sich zwar negativ auf die Umwelt aus, aber somit letztlich auf uns selbst, die die wir in ihr leben. Allein wenn man sich auf die umstrittene anthropozentrische Sichtweise beschränken würde, müssten wir unsere Konsumkultur schnellstmöglich ändern. 

Zum anderen können Lebensmittelabfälle als eine unnötige Verschwendung von Ressourcen angesehen werden, von denen andere profitiert hätten können. So kann zwar nicht das übriggebliebene Brot vom Frühstück in Afrika den Hunger stillen, jedoch könnte das ersparte Geld, wenn man weniger einkauft und folglich weniger verschwendet, bedürftigen Menschen zugute kommen. „Ein Kind, das heute am Hunger stirbt, wird ermordet. Der Hunger ist menschengemacht.“ Jedoch ist es nur ein kleiner Gewinn für Hungerleidende, wenn das durch die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung ersparte Geld wieder für Konsum verwendet würde. Einer Reduzierung von Lebensmittelverschwendung müssten weitere Handlungen nach sich ziehen, von denen andere Menschen profitieren. Dr. Mickey Gjerris und Dr. Silvia Gaiani stellen daher die Frage, ob diejenigen, die in Wohlstand leben, verpflichtet sind, keine Lebensmittel zu verschwenden und die gesparten Ressourcen dazu verwenden sollten, anderen zu helfen. Im nächsten Abschnitt wird sich diese Hausarbeit genauer mit der Frage nach dem Konsum beschäftigen. 

3. Ist unser Konsum ethisch falsch? 

Indem der Verbraucher seinen Wocheneinkauf tätigt, fügt er niemandem unmittelbar Leid zu. Doch hängt, je nach Produkt, daran eine lange Kette negativer Auswirkungen. Von kalkuliertem Wegwerfen der Produzenten, Umweltverschmutzung, enteigneten Bauern, gequälten Tieren, Wasserverschwendung – die Liste ist endlos. Mit unserer Entscheidung ein bestimmtes Produkt bei einem bestimmten Händler zu kaufen, finanzieren wir viele negative Auswirkungen des Konsums von Lebensmitteln mittelbar mit. 

Wir sind in der luxuriösen Lage, dass wir uns beim Einkaufen aus einer großen Auswahl aussuchen können, was wir gerne essen. „Die Frage ist: ist dies ethisch falsch?“ Oder könnte man nicht vielmehr argumentieren, dass der Konsument selbst bestimmen soll, wie er sein eigenes Geld ausgibt? Zwar will oberflächlich niemand mit seinem Geld anderen Menschen, Tieren, Ökosystemen schaden zufügen, doch passiert genau das. Der Konsument ist ein wichtiger Spielmacher in unserer Wirtschaft und er prägt maßgelblich die Zustände auf unserem Planeten. „Als Konsumenten stehen wir am Ende einer globalen Produktions- und Vermarktungskette, die in vielen Fällen mit Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung verbunden ist.“ Wir können nicht behaupten, dass wir von den Produktionsbedingungen und deren Folgen von Lebensmitteln nichts wüssten. Die Zeitungen sind schließlich voll davon. Es ist unsere Arroganz, unsere Hybris, die zwischen dem was wir wollen und dem was wir sollten, stehen. Unsere Wegwerfmentalität ist geradezu ein symbolischer Affront gegenüber Menschen, die arm sind und Hunger leiden. Wir haben zwar einerseits ein Bewusstsein für die Probleme auf der Welt, im Supermarkt überwiegt dann jedoch wieder unser Desinteresse an leidenden Menschen. Unser Verhalten bezüglich Konsum ist nunmehr ambivalent. 

„Wachsende Umweltschäden, soziale Ungleichheiten und wiederkehrende Wirtschaftskrisen haben zu einer Situation geführt, in der das ökonomische Handeln zunehmend moralisch hinterfragt wird.“ „Der heutige Konsument kann darüber entscheiden, welchen Produktionsbedingungen und Geschäftsmodellen die Zukunft gehört – und welchen nicht.“ Oben wurde bereits die Frage aufgeworfen, ob der Verbraucher in die Verantwortung gezogen werden kann oder nicht. Der Konsument entscheidet schließlich selbst in welche Produkte er sein Geld investiert und kann sich dabei mehr Maßstäbe setzen als nur Preis und Qualität: Umweltfolgen und Entstehungsbedingungen. So können wir nicht nur politisch handeln indem wir wählen gehen, sondern auch bei unseren Entscheidungen wenn wir Lebensmittel kaufen. „Der Gedanke des politischen oder kritischen Konsums basiert auf der Überzeugung, dass jeder Einzelne durch seine Kaufentscheidungen die Macht hat, Dinge zu verändern.“ Man kann nicht ausschließlich der Wirtschaft den schwarze Peter zuschieben, denn sie reagiert auf unsere Vorlieben. Wenn wir unser Konsumverhalten ändern, wird die Wirtschaft reagieren müssen. „Längst gibt es von der Lebensmittel- bis zur Textilbranche Anbieter, die sich auf die wachsende Zielgruppe der ethischen Konsumenten spezialisieren.“ Diese zeigen, dass unsere Überfluss- und Wegwerfgesellschaft auf Kosten anderer (Arme, Natur, Tiere) nicht sein müsste und es andere Wege gibt. Allerdings hat ethischer Konsum nicht nur etwas mit fair-gehandeltem Kaffe oder Bio-Bananen zu tun. Wer von seinen Bio-Produkten die Hälfte wegschmeißt, jede Woche ein neues ökologisches T-Shirt kauft oder jeden Einkauf in Einmal-Papiertüten unterbringt, tut lediglich oberflächlich etwas für sein Gewissen. Ethischer Konsum sollte vielmehr heißen bewusster und weniger zu konsumieren und hierbei auf faire und umweltfreundliche Produkte zu achten. 

V. Von der Überflussgesellschaft zum „fairantwortlichen“ Konsum

Es sind viele Schritte notwendig um von einer Überflussgesellschaft zu verantwortlichem Konsum zu gelangen. Verschiedene Akteure müssen hier in die Verantwortung gezogen werden. So müsste zum einen die Politik eingreifen und die Verschwendung stoppen. „Die Nahrungsmittelhersteller und der Handel sollten gesetzlich verpflichtet werden, Ausschuss und Lebensmittelmüll regelmäßig zu melden und eine Steuer für die Verschwendung essbarer Lebensmittel zu zahlen, wenn sie die überschüssigen Waren nicht an karitative Organisationen und Einrichtungen verteilen.“ Außerdem müssten die zuständigen Ministerien endlich beginnen ausreichend Datenmaterial zur Lebensmittelverschwendung in Deutschland zu sammeln. Darüber hinaus muss das Mindesthaltbarkeitsdatum dringend modernisiert werden, weil es zu Verwirrung beim Verbraucher sorgt. Eine Möglichkeit könnten sensorische Frischelabel sein, die viel genauere Aussagen über die Güte eines Produktes liefern als das Ablaufdatum.

Zum anderen sollten Wirtschaft und Produzenten Lagerung, Transport und Verpackung effizienter gestalten, damit vor allem Nachernteverluste in Entwicklungsländern reduziert werden. Daneben muss in umweltfreundlichere Verpackungen investiert werden. 

Der wohl wichtigste Schritt im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung ist jedoch die Aufklärung des Verbrauchers. „Mit verständlicheren Informationen, klareren Angaben und höherer Ernährungsbildung wäre sicherlich schon viel erreicht.“ Wer bewusster mit Ernährung umgeht, weiß wie viel Energie, Wasser, Arbeitskraft und Verkehrswege dafür notwendig waren. „Wer einem Tier zumutet, dass es sterben muss, und wer vielleicht auch schon mal ein Tier hatte und es geschlachtet hat, der wird sich gut überlegen, Fleisch wegzuwerfen.“

Der Einzelne kann Lebensmittel sparen, die Umwelt und Ressourcen schonen indem er planvoller einkauft und sich verantwortungsvoller ernährt. Hierbei sollte man Fleisch nur in kleinen Mengen kaufen und auf Bio-Produkte achten. Außerdem sollte man vor allem regionale Produkte beziehen, weil ihr Transportweg viel kürzer ist und so deutlich weniger Treibhausgase ausgestoßen werden. Wenn man daneben noch auf saisonale Waren achtet und auf Obst und Gemüse aus beheizten Treibhäusern verzichtet, spart an CO2-Emissionen. Und Schließlich: Kein Menü für den Müll. Wer wirklich nur soviel kauft wie er auch verbraucht, spart Geld und schützt unsere Erde. 

C. Schluss 

Lebensmittelverschwendung – Sind wir moralisch verpflichtet zu „fairantwortlichem“ Konsum? Ja, sind wir! Die Folgen unseres Konsumverhaltens und Wegwerfmentalität sind so weitreichend, dass dringend Verbraucher sowie Produzenten in die Verantwortung gezogen werden müssen. Die unterschiedlichen Gründe, für die Verschwendung von Lebensmitteln, haben aufgezeigt warum. Während die Produzenten durch Ineffizienzen bei Ernte, Transport, Lagerung und Verarbeitung, der Handel durch Verkaufsstrategien, die Politik durch Subventionen und Gesetze zur Verschwendung beitragen, liegt beim Konsumenten vor allem die fehlende Wertschätzung als Hauptgrund für Verschwendung im Vordergrund. Diese gründet sich in der Beziehung zwischen Mensch und Natur. Denn unser Umgang mit Lebensmitteln ist lediglich ein Symptom davon, wie wenig Wert wir der Natur zurechnen. Aus einer anthropozentrischen Sichtweise heraus, wurde argumentiert, dass wir diese jedoch allein zu unserem Wohl dringend schützen sollten. 

Offen blieb die Frage, ob die Natur aufgrund ihres Selbstwerts geschützt werden müsse. Daneben wurde angesprochen, dass unser Konsumverhalten eine Verschwendung von Ressourcen darstellt, von denen andere profitiert hätten. So drängte sich die Erkenntnis auf, dass wir uns gegenüber anderen Menschen und Organismen als arrogant verhalten und uns in einer Hybris befinden, unser Wohl über ihres zu stellen. Wir müssen dringend damit beginnen unser Handeln moralisch zu hinterfragen und mit der Macht der Verbrauchers Einfluss auf die Wirtschaft nehmen. Die Schuld an Umweltschäden, sozialer Ungleichheit und Klimawandel den Wirtschaftsbossen und Politikern zu geben, ist viel zu einfach. Der Verbraucher muss endlich erkennen, dass es nicht reicht energiesparende Glühbirnen zu verwenden, an Hilfsorganisationen zu spenden und häufiger das Fahrrad zu nehmen. Denn dieser Artikel hat gezeigt, dass unser Umgang mit Lebensmitteln weitreichender ist als die meisten denken und sich negativ auf viele Probleme der heutigen Zeit auswirkt. Wir wissen von all diesen Problemen und müssen gegen das Desinteresse kämpfen. Wie kann ich mein Brötchen morgens vom Discounter noch genießen, während ich weiß dass 50 andere am Abend im Müll landen, Menschen auf der Welt verhungern, traditionelle Bäcker ihr Geschäft schließen müssen und Regenwald abgeholzt wird und Kleinbauer enteignet werden um billiges Getreide anzubauen? Essen ist politisch und wir müssen diese Macht erkennen und beginnen „fairantwortlich“ zu konsumieren. 

II. Weitere Themen 

Um die gesamte Bandbreite des Umgangs mit Lebensmitteln zu veranschaulichen, müssten weitere Thematiken bearbeitet werden. 
Da wäre erstens die tiefere Bearbeitung der Beziehung zwischen Mensch und Natur und die Kritik an der anthropozentrischen Sichtweise, um die Frage zu beantworten, ob die Natur aus ihrem Selbstwert heraus geschützt werden sollte oder nur zu unserem Zweck oder überhaupt nicht. 
Zweitens könnte ein Artikel darüber verfasst werden, ob wir gegenüber anderen Menschen eine Verantwortung bezüglich Konsum von Lebensmitteln haben oder ob wir nur auf uns selbst achten müssen. Zum einen müsste man hier Bewohner von Entwicklungsländern und zum anderen spätere Generationen heranziehen. Bezüglich armen Menschen könnte hier darüber hinaus die Hilfe zur Selbsthilfe diskutiert werden. So stehen Spenden häufig in der Kritik, dass die Bevölkerung so nicht lerne, sich selbst zu versorgen. Hier würde man abwägen müssen, zwischen Spenden und dem menschengemachten Hunger durch Handelspolitik, Agrarsubventionen usw.
Drittens blieb die Frage offen, ob der Kapitalismus zum Konsum verpflichtet. Können wir überhaupt „fairantwortlich“ konsumieren, solange wir in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem leben?
Viertens sollte man die Macht von Werbung und Marketing im Supermarkt genauer untersuchen. Lassen wir uns zu oft hinters Licht führen? Oder kann von uns verlangt werden, dass wir kritisch reflektieren? Hier müsste man auf Theorien des vernunftbegabten Wesen Mensch eingehen. 
Fünftens müsste man sich in Erweiterung der Beziehung zwischen Mensch und Natur mit den Rechten von Tieren auseinandersetzen und deren Stellung in unserem Leben. Schließlich ist die Viehzucht ein großer Teil der Lebensmittelproduktion und ihre Auswirkungen sind nicht nur für die Umwelt verheerend. Darf man Tiere essen? Darf man nur „glückliche“ Tiere essen? Wie viel Qual muss ein Tier für meinen Vorteil/ Genuss ertragen? 


Literaturverzeichnis 
Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.).  Informationen zur politischen Bildung –  Haushalt – Markt – Konsum. 3/2010.

Dr. Gjerris, Mickey; Dr. Gaiani. Food Waste and Consumer Ehtics. Berlin Heidelberg 2014.

Kreutzberger, Stefan; Thurn, Valentin. Die Essensvernichter. Köln 2012. 


Ott, Konrad. Umweltethik – Zur Einführung. Hamburg 2010.

Heidbrink, Ludger; Schmidt, Imke. Die neue Verantwortung der Konsumenten. In:Bundeszentrale für politische Bildung. Aus Politik und Zeitgeschichte. Konsumkultur. 32-33/ 2009. S. 27-31. 

Schilling, Thorsten in: „fluter – Magazin der Bundeszentrale für politische Bildung – Thema Ernährung“, Nr. 22, 2009, S. 3.

Taylor, Paul W. Die Ethik der Achtung gegenüber der Natur. In:  Angelika Krebs (Hrsg.). Naturethik. S. 111-143. Frankfurt am Main 1997.

Tvedt, Terje. Wasser – Eine Reise in die Zukunft. Bonn 2013. 

Weingärtner, Lioba; Trentmann, Claudia; Deutsche Welthungerhilfe e.V. (Hrsg.). Handbuch Welternährung. Bonn 2011. 

Weber, Birgit. Konsum in der sozialen Marktwirtschaft. In: Informationen zur politischen Bildung. 3/2010. S. 46-57.

White Jr., Lynn Die historischen Ursachen unserer ökologischen Krise. In: Michael Lohmann (Hrsg.). Gefährdete Zukunft. Prognosen angloamerikanischer Wissenschaftler. S. 20-28. München 1970.

Verfasst von

24, Studentin mit Fernweh und immer einem Buch in der Tasche.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s