Gedrosselte Smartphoneabhängigkeit

„Ihr Highspeed-Datenvolumen ist wieder aufgebraucht.“ Und schwups sind die 1 GB Datenvolumen wieder dahin. Jetzt surfe ich mit weniger als 1% der verfügbaren Geschwindigkeit. Wenn ich aktuell eine Internetseite laden, ein Foto verschicken, meine E-Mails checken oder in den Sozialen Netzwerken stöbern will, brauche ich Geduld. Sehr viel Geduld!

Eigentlich hätte ich mich nicht als Smartphonesüchtig bezeichnet. Ich kann auch sehr gut mal ein paar Stunden ohne Iphone auskommen. Doch jetzt, wo die Nutzung mehr als eingeschränkt ist, muss ich zugeben: Es fehlt was. Ohne erkennbare Bilder machen Instagram, Facebook und Co. einfach nur halb so viel Spaß wie sonst. Ich verbringe mehr Zeit mit dem Warten, bis der Spiegel Online Artikel geladen hat, als ich brauche um ihn zu lesen.

Soziales Leben vs. Soziale Netzwerke

Eigentlich total bescheuert, oder? So kann man seine Zeit auch verschwenden. Generation Smartphone eben. Statt sich dem sozialen Leben hinzugeben, sind wir in Sozialen Netzwerken,  wischen, tippen, zoomen… Nur vereinzelt unterhält man sich im Zug noch. Dafür müsste man sich schließlich in die Augen schauen. Zu doof nur, dass der Blick immer auf den Display geneigt ist. Was das später mal für Folgeschäden bringen könnte: Weg vom aufrechten Gang, hin zur verkrümmten Halswirbelsäule. Von der Smartphonnutzung am Esstisch, im Restaurant oder der Bar will ich eigentlich gar nicht anfangen. Es geht hier einfach um Aufmerksamkeit und folglich auch um gegenseitigen Respekt. Darf ich auf mein Smartphone gucken, während mir mein Gegenüber etwas erzählt, mein Kind ein gemaltes Kunstwerk präsentiert oder ich mit meinem Partner einen romantischen Filmabend verbringe? Die Frage ist einfach: Wie viel Aufmerksamkeit ist mir mein Gegenüber wert?

Einerseits sind wir stets erreichbar, immer Up-to-date, damit wir auch ja nichts Wichtiges verpassen. Häufig schauen wir alle paar Minuten auf das Display. Wie ich finde sogar meistens völlig unterbewusst. Wurde das Kontrollieren von Neuigkeiten vielleicht sogar schon zu einem neuen Instinkt? Es passiert einfach so: Ein Klick auf den Homebutton, das Display leuchtet auf… Na habe ich eine neue Nachricht?!

Die Dozenten an der Uni tun mir heutzutage fast schon leid. Während wir in der Schule unser Handy ganz ganz heimlich hervorgeholt und kurz unterm Tisch oder im Mäppchen eine SMS – ja damals hat man noch SMS geschrieben und ich bin erst 21 Jahre alt – gelesen hat, liegen die Smartphones heute selbstverständlich auf den Tischen im Seminarraum. Von Respekt keine Spur. Wenn man keine Lust auf das Seminar hat, muss man sich nicht mehr langweilen, sondern kann sich sehr gut anderweitig beschäftigen. Auf der Facebook-Timeline ist schließlich immer was los.

Im Bann des Smartphones

Andererseits fühlen sich viele von uns mehr und mehr gehetzt. Wir wollen die blauen Haken in What’s App loswerden. Wollen uns nicht rechtfertigen, dass wir die Nachricht zwar vor über einer Stunde gelesen, aber noch nicht geantwortet haben. Nie hat man seine Ruhe. E-Mails, Anrufe, Nachrichten, Push-Up-Meldungen… regnen den ganzen Tag über auf mich ein. Eigentlich könnte man sein Handy einfach ausschalten… Doch so einfach ist es eben doch nicht! Wir haben uns so sehr daran gewöhnt jeden (abgesehen von Mitarbeitern bei der Stadt oder beim Finanzamt) jederzeit erreichen zu können bzw., dass jeder uns jederzeit erreichen kann, dass man ein komisches Gefühl hat sein Handy abzuschalten. Mailbox was ist das?

Als ich vor ein paar Jahren auf einer Info-Veranstaltung für Eltern über Internet, Smartphones und Co. war, wurde mir die Tragweite der „Ich-darf-nichts-verpassen-Problematik“ erst richtig bewusst: Eine Mutter erzählte, dass sie überlegt ihrer Tochter abends das Handy abzunehmen. So würde das Mädchen nicht schlafen können, solange in der What’s App Gruppe ihrer Klasse noch geschrieben werde. Denn wenn sie nicht antworte, würden ihre Mitschüler wissen, dass sie bereits schlafe und deshalb als uncool abstempeln. Verrückt!! Gruppenzwang in einer neuen Dimension.

Ganz so schlimm ist es bei mir zum Glück noch nicht. Wenn ich schlafe, schlafe ich! Da würde mich kein Trommelwirbel wach kriegen und erst recht kein süßes „Pling“ vom Handy. Ach Mist… Sollte ich jetzt erwähnen, dass mein Iphone jede Nacht neben meinem Kopf liegt? Da wird mir direkt bewusst: Mein Handy ist das letzte was ich vorm Schlafen und das erste was ich nach dem Aufwachen sehe. Sehr romantisch! Sollte das nicht eigentlich ein heißer Typ mit verwuschelten Haaren sein?!

Inzwischen glaube ich, dass ich doch nach meinem Smartphone bzw. nach Sozialen Netzwerken abhängig bin. Weiteres Beispiel: Wer kann heute noch einen 30 Seiten langen Seminartext in einem Rutsch durchlesen ohne einmal auf sein Smartphone zu gucken? Noch diesen Absatz und dann als Belohnung kurz das Handy zur Hand… Meine Aufmerksamkeitsspanne ist winzig. Inzwischen schreibe ich Hausarbeiten vorwiegend nachts – da schlafen die meisten schließlich. Gibt also nix Neues in What’s App, Facebook, Twitter und Co. Mal gucken ob ich das Staatsexamen mit dieser Konzentrationsstörung später mal schaffe. In der Zeit sollte ich mir wohl besser mein gutes altes NOKIA wieder zulegen und den WLAN-Router wegschließen.

Zeig mir was du hast

Was ich besonders erschreckend finde, ist meine Selbstdarstellung auf Instagram. Jetzt mal ehrlich: Man hat was Leckeres gekocht, hat einen riesigen Kohldampf und was macht der verrückte Mensch?! Erstmal schön arrangieren, Tisch aufräumen, Foto schießen, gefällt noch nicht, noch ein Foto schießen, Filter über das Bild legen, so viele Hashtags wie möglich finden – bis man schließlich und endlich nach einer halben Ewigkeit endlich anfängt zu essen. Doof gelaufen – Essen ist leider schon kalt! Die Instagram-Welt ist irgendwo zwischen Wunsch und Realität. Fast alles hier ist irgendwie fake, nett hergerichtet, belichtet und zugeschnitten. Meinen Erdbeersmoothie auf mein MacbookAir in meinem Bett mit makellos weißer Bettwäsche abzustellen ist schließlich ein ganz normales Verhalten. (Ich halte mal schnell ein Sarkasmus-Schild in die Luft). Nur eine falsche Bewegung und ich hätte eine Macbook-Smoothie-Katastrope! Von der Likes-Abhängigkeit will ich eigentlich nicht schreiben… ABER: Das ist doch beknackt, wenn ich mein Selbstwertgefühl von ein paar Klicks abhängig mache. Inzwischen werden Likes und Follower ja schon gekauft.

Der Mensch ist schon ein komisches Geschöpf. Ich danke O2 heute für die Beschränkung meines Datenvolumens. Diese eigentlich nervige Sache führte dazu, dass ich mich mit meiner Smartphonenutzung beschäftigt habe. Ich werde in Zukunft genauer darauf achten, wie viel ich wirklich wische, tippe und zoome. Dafür probiere ich nun eine App aus, die misst wie viele Stunden ich täglich mit meinem Handy verbringe. Ich habe ja etwas Angst vor den Ergebnissen… Da nun jedoch der Sommer vor der Tür steht, wird die Smartphonenutzung sowieso sinken. Schließlich müsste man bei strahlendem Sonnenschein die Displaybeleuchtung deutlich erhöhen – was definitiv zu viel Akku kostet, als das die Technik so einen ganzen Uni-Tag durchstehen könnte.

Verfasst von

24, Studentin mit Fernweh und immer einem Buch in der Tasche.

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