Unser Umgang mit dem täglichen Fleisch

„Nur knapp die Hälfte eines zur Schlachtung vorgesehenen Tieres landet als Fleisch und Wurst bei den Konsumentinnen und Konsumenten.“ Bereits vor dem Schlachthof sterben mindestens 20% aller Schweine. Ganze Tiere sterben schlichtweg umsonst, um unsere Regale zu füllen und die anscheinend unbezähmbare Lust auf Fleisch zu stillen. Letztlich landet ein Großteil, nach Qualen, Panik und Angst im Müll.

Außerdem verbraucht die Produktion von Fleisch viel mehr Energie als zum Beispiel Autofahren. „Und mehr Wasser als Duschen: Für die Herstellung eines Kilos Rindfleisch wird ein durchschnittlicher Wasserverbrauch von 15000 Litern angegeben.“ „Wir alle haben Artikel darüber gelesen und Reportagen im Fernsehen gesehen, jeder von uns kann furchtbare Bilder vor seinem inneren Auge abrufen, was alles mit Tieren in der modernen Landwirtschaft gemacht wurde und wird.“ Es stellt sich die Frage, ob wir Tiere für unseren Konsum töten dürfen oder zumindest verantwortlicher mit Fleisch als Nahrungsmittel umgehen müssen.

Unser unstillbarer Hunger nach Fleisch, führte dazu, dass Tiere in den Industrieländern nicht mehr Naturwesen sind. „[…] Wachstum, Stoffwechsel, Skelette, Fortpflanzung – wurde so manipuliert, dass es zu unseren Verarbeitungsindustrien passt.“ So wurde in die Biologie der heutigen Züchtungen so stark eingegriffen, dass diese allein kaum lebensfähig sind. „Danach verbringen die Tiere ihre kurzes Leben auf Betonboden, fressen industriell hergestelltes Futter, schließlich werden sie in LKWs abtransportiert und am Fließband getötet.“
Die modernen, städtisch geprägten Menschen haben den Bezug zum Tod verloren und wollen das Töten von Tieren nicht sehen. Dabei begegnen wir dem Tod von Tieren täglich während unserer Mahlzeiten. Doch wachsen Schnitzel, Chicken Nuggets und Co. nicht in ihrer Plastikverpackung im Supermarkt – was viele beim Blick auf ihren Teller häufig vergessen. 
Häufig wird bezüglich des Fleischkonsums argumentiert, dass die Menschheit schon immer gejagt und getötet habe und es einfach zu seinem Wesen gehört. Diese Argumentation ist schlichtweg dürftig: „Wir können nicht sagen, was ein Mensch als reines Naturwesen tun würde, weil dieses Naturwesen nicht existiert; es ist den Menschen als Spezies wesentlich bestimmt, Kulturwesen zu sein.“ Zwar muss ein Mensch essen um zu überleben, doch ist es variabel was er isst. „Man kann Fleischverzehr nicht über den Bedarf nach Nahrung rechtfertigen, seitdem zweifelsfrei erwiesen ist, daß wir unseren Bedarf an Proteinen und anderen wesentlichen Nährstoffen viel effizienter mit einer Ernährung befriedigen könnten, die tierisches Fleisch durch Sojabohnen und andere hoch proteinhaltige vegetarische Produkte ersetzt.“ Singer zieht daraus den Schluss, dass unsere Praxis der Haltung und des Tötens von anderen Tieren zu Zwecken des Verzehrs ein deutliches Beispiel dafür sei, wie wir die wichtigsten Interessen anderer Wesen für die Befriedigung unserer eigenen trivialen Interessen opfern. Er fordert deshalb, dass wir diese Praxis beenden sollten, um Speziesmus zu vermeiden und das jeder von uns die moralische Verpflichtung habe, diese Praxis nicht mehr zu unterstützen. In Verbindung zu dem bereits behandelten Teil der Beziehung zwischen Mensch und Natur wird hier wieder deutlich, dass der Mensch seine Interessen in den Vordergrund rückt. 
Dies äußert sich daneben ausschlaggebend in der Argumentation, dass Tiere weniger wert seien als Menschen. Hilal Sezgin zitiert  dagegen hierzu den kanadischen Philosophen Will Kymlicka: „Das Recht auf Leben beruht in keiner Weise auf dem Wert, den dieses Leben für andere hat… Tiere haben das Recht zu leben, weil ihr leben wertvoll ist für sie.“ Nach Peter Singer gibt es bedeutende Unterschiede zwischen den Menschen und anderen Tieren. „Diese müssen sich in gewissen Unterschieden zwischen den Rechten beider Gruppen niederschlagen.“ So beinhalte das grundlegende Prinzip der Gleichheit von einer Gruppe nach ihm gerade nicht, dass wir beide Gruppen in genau derselben Weise behandeln oder beiden genau dieselben Rechte gewähren müssen. Jeremy Bentham  schrieb diesen zukunftsweisenden Abschnitt: „Der Tag wird kommen, an dem der Rest der tierischen Schöpfung jene Rechte erwerben wird, die ihnen niemals hätten vorenthalten werden können außer durch die Hand der Tyrannei.“ Des weiteren „erhebt Bentham die Leidensfähigkeit zum entscheidenden Kriterium, aufgrund dessen einem Wesen das Recht auf gleiche moralische Rücksicht zukommt“. Singer unterscheidet das Töten eines Tiers weiter als deutlich anders von dem eines Menschen, weil Tiere keine in die Zukunft reichenden Pläne oder Interessen hätten. „Die Fähigkeit zu leiden oder zu genießen ist eine Voraussetzung, um überhaupt Interessen zu haben, eine Bedingung, die erfüllt sein muß, bevor wir in einer sinnvollen Weise von Interessen sprechen können.“ Nach Singer kann es keine moralische Rechtfertigung für die Weigerung geben, das Leid eines Wesens zu berücksichtigen.
In den Argumentationen der zitierten und genannten Autoren finden sich wieder deutliche Hinweise auf die beiden großen Probleme bezüglich unseres Umgangs mit Lebensmitteln: Unser Konsum und die geringe Wertschätzung bzw. die Hybris der Menschheit sich über alle anderen Wesen zu erheben und wertvoller zu schätzen. 
Selbst wenn wir auf Fleischkonsum nicht gänzlich verzichten wollen, auch wenn wir ihn aus biologischer Sicht nicht mehr bräuchten, gilt es dennoch dessen Konsum verantwortungsbewusster zu gestalten. Gründe hierfür sind die oben genannten Zahlen und Auswirkungen der Fleischproduktion auf die Umwelt sowie Ressourcen wie Wasser. Der Wert von Nahrungsmitteln muss allgemein wieder höher steigen. Besonders jedoch von Lebewesen, die ausschließlich als Mittel zu unsere Zwecken sterben müssen und dann noch nicht einmal vollständig verbraucht werden.

Quellen:
Sezgin, Hilal. Artgerecht ist nur die Freiheit – Eine Ethik für Tiere oder Warum wir umdenken müssen. Bonn 2014. 
Singer, Peter. Alle Tiere sind gleich. In: Angelika Krebs (Hrsg.) Naturethik. S. 13-32. Frankfurt am Main 1997.
Taylor, Paul W. Die Ethik der Achtung gegenüber der Natur. In: Angelika Krebs (Hrsg.). Naturethik. S.111-143. Frankfurt am Main 1997.

Veröffentlicht von

23, Studentin, Schreiberling, Ronja Räubertochter mit Hang zu rosa und veganer Kosmetik.

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