Filmkritik: Mr. Grey wird Sie jetzt empfangen

Fifty Shades of Grey – Der Medienhype um die Verfilmung des ersten Buches der Erotik-Trilogie hält an: Mit über 2,6 Millionen Besuchern steht der Film an der Spitze der deutschen Kinocharts. Mich trieb die Neugier am Samstag mit einer Freundin ins Kino. 

Zum Inhalt: 

Die 21jährige Literaturstudentin Anastasia Steel (Dakota Johnson) trifft bei einem Interview für die Universitätszeitung auf den Milliardär Christian Grey (Jamie Dornan). Dabei stolpert die arme in sein Büro. Wie ungeschickt! Anastasia ist vom Typ her das absolute Mauerblümchen: Unsicher, schüchtern, Jungfrau, wenig Sinn für Mode, hat wenig Geld…(Hilfeeee Klischee) Christian dagegen wirkt arrogant, ist selbstsicher, elegant und sexy! Zwischen den beiden besteht von Anfang an eine unheimliche Anziehung. 
Nach weiteren Treffen, teilt Christian sein gut gehütetes Geheimnis mit Anastasia: Er steht aus SM („Mein Geschmack ist sehr speziell“). Nicht auf Gefühle („Romantik liegt mir nicht“). Und er will sie als seine Gefährtin für sein Spielzimmer. Um sie davon zu überzeugen, führt er sie in die Welt der Lust ein. Er überreicht ihr einen Vertrag, der festlegt, dass ihre Beziehung nur in rein sexueller Form von Dominanz und Unterwerfung funktioniert. Ana denkt lange darüber nach. Bevor sie jedoch in seinem Spielzimmer die Welt der sexuellen Praktiken erfährt, entjungfert er sie noch. Ganz normal. Langweilig. Im Bett. Er hat eben doch etwas Anstand. 
Sie verliebt sich (wie könnte es auch anders sein) im weiteren Verlauf in ihn. Es entsteht eine etwas andere Romanze, ohne Happy End. Nachdem er ihr das erste Mal „richtig“ den Po verhaut, rennt sie weinend davon. Film Ende. 

Fazit: 

Ich will hier eigentlich nicht auf den Inhalt eingehen. Sonst wäre es vielmehr eine Literaturkritik. Erstmal so viel: Anastasia ist unerträglich naiv! Ich kam bereits während dem Lesen nicht aus dem „Augenverdrehen“ heraus und hätte sie am liebsten geschüttelt!!! 

Deswegen direkt zum Film: 
Der Anfang ist unheimlich schlecht. Holprig. Bitte nicht aus dem Kino rennen! Keine Sorge! Es wird besser. 
So manche Liebesspiele trieben mir ehrlich gesagt die Schamröte ins Gesicht. Zum Glück war das Kino am Samstagnachmittag nicht allzu voll. Die Sexszenen finde ich sehr gut umgesetzt. Man sieht nicht besonders viel, aber genug um das Kopfkino zu starten. Häufig wurde kritisiert sie seien für den Film zu soft. Doch soll es eben immer noch ein Film sein und kein Porno. Ich finde die Szenen einfach sinnlich und nicht übertrieben. 
Aber um Himmelswillen: Wir leben im 21. Jahrhundert – dem Jahrhundert der Intimrasur. Der „Busch“ von Anastasia ist alles, aber bestimmt nicht sexy! Der Sinn dahinter war vermutlich ihren Mauerblümchencharakter gut darzustellen. Aber schön ist meiner Meinung nach anders. 
Im ersten Teil des Films haben wir viel gelacht. Nicht wegen den witzigen Szenen, sondern wegen der bereits angesprochenen unerträglichen Naivität der Hauptfigur und dem teilweise völlig übertriebenen Kitsch. Hier entschuldige ich mich offiziell an den anderen Kinogästen: Tut mir sehr leid, aber ich konnte einfach nicht anders!
Beispiel: 
Auf die Frage von Ana ob sie nun miteinander schlafen würden, antwortet Christian: „Ich mache keine Liebe… Ich ficke hart.“
Sie stehen vor seinem Spielzimmer und sie fragt: „Also Xbox und so?“ Fremdschämalarm!
Letztlich orientiert sich der Film an der Buchvorlage. Und diese ist einfach eine weichgespülte SM-Romanze. Ich kann mich absolut nicht mit Anastasia identifizieren und finde sie schrecklich. Dennoch würde ich den Film nicht als frauenfeindlich bezeichnen. So entscheidet sie selbst. Sie wird nicht missbraucht. Es ist vielmehr eine verschrobene Liebesgeschichte, die Abhängigkeit zum Thema macht. Christian ist beruflich erfolgreicher, was ihm wohl eine mächtigere Stellung verleiht. Doch sehe ich hier noch keinen Grund für Feministinnen auf die Barrikaden zu gehen. Und bzgl. des Sex: Lust zu entdecken, frei auszuleben und auszuprobieren, ist doch modern. 

Klar ist für mich, dass der Hype um diesen Film viel zu groß ist! Er ist definitiv kein großes Stück der Filmgeschichte und ich werde ihn mir nicht ein weiteres Mal ansehen müssen. Der Kinobesuch hat meine Neugier befriedigt. Genügt mir. Zum Glück habe ich meinen Valentinstag nicht im Kino verbracht. Sondern etwas wirkliche romantisches gemacht… 

Und zum Abschluss noch was zum Schmunzeln: In Mexiko soll eine Frau im Kino von der Polizei festgenommen worden sein, weil sie während des Films masturbierte. 

Veröffentlicht von

23, Studentin, Schreiberling, Ronja Räubertochter mit Hang zu rosa und veganer Kosmetik.

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