It’s a match – Liebe im 21. Jahrhundert?

Nach zwei Jahren Single-Dasein habe ich mich mal an einer neuen Flirt-Methode versucht – Ich bin im Tinder-Fieber: 97 Matches in drei Tagen.

Tinder ist eine Flirt-App fürs Smartphone. Komplett kostenlos, meldet man sich über seinen Facebook-Account an. Etwas gruselig. Dachte zuerst nun tausende Posts auf meiner Facebookseite zu finden. Dem war zum Glück nicht so. Dennoch ist der Datenschutz nicht sonderlich hoch. Mein Aufenthaltsort kann auf wenige Kilometer genau bestimmt werden und ich muss den Zugriff zu meinen Facebookdaten (Bilder, Freunde, Likes…) erlauben.
Mit dem Hot or Not Prinzip bekomme ich Bilder von (angeblichen) Singles in meiner Umgebung angezeigt. Über einen Fingerwisch kann ich auswählen, ob ich den Typ mag oder nicht. Findet er mich auch gut, informiert die App darüber und gibt den Weg frei sich gegenseitig Nachrichten zu schreiben. Ich persönlich finde dieses hin und her wischen wirklich witzig. Auch wenn ich deutlich öfter „Nope“ tippe als „Like“.
Doch nur weil man laut Tinder aufeinander steht, muss dann noch lange kein Chat beginnen. Viele Männer haben die Initiative nicht genutzt und ich war zu Beginn einfach zu altmodisch selbst drauflos zu schreiben. Inzwischen kann ich ganz gut das Eis brechen und beginne das Gespräch.
Nach drei Tagen habe ich schon 97 Matches. Davon waren es bestimmt 60 Typen die mich angeschrieben haben. Manche waren kreativ, doch die meisten schrieben nur „Hey, wie gehts?“. *Gäääähhhnnn*.
Mit ein paar Auserwählten schrieb ich etwas länger hin und her. Doch war ich schon nach Kurzem genervt zum tausendsten Mal zu schreiben was ich studiere, wo ich arbeite, was ich in meiner Freizeit mache, wo ich herkomme usw. usw. Zumal bei den meisten diese ganzen Erklärungen einfach reine Zeitverschwendung waren. Nach kurzer Zeit packten manche ihre perversen Vorlieben aus. Der Fußfetischist war nur einer unter ihnen. Aber was erwartet man schon bei einer App? Die große Liebe zu finden? Das ist wohl eher eine Seltenheit. Viele fragten mich auch, was ich hier suche. Puh muss ich das echt definieren? Vom Date, über Kaffee trinken gehen, neue Leute kennenlernen. Wenn ihr nur nach Matratzensport sucht, sagt es doch einfach gleich ^^. So könnte man sich den ganzen Small-Talk ersparen.
Einem habe ich sogar meine heißgeliebte Handnummer gegeben. Er hat sich nie wieder gemeldet. Typisch Mann! Ob er die wohl an irgendwelche Firmen vertickt? Dann hätte wenigstens einer was davon gewonnen, einen ganzen Tag mit chatten zu verschwenden.
So führt Tinder dann auch schon mal zu Frust. Vor allem weil man so viel Zeit investiert – damit einem der mögliche Traummann auch ja nicht durch die Lappen geht. Doch so viele Frösche will ich wirklich nicht küssen müssen.
Eine Handvoll hat es aber geschafft und haben es mir angetan. Dates sind geplant. Mal schauen was draus wird. Hoffentlich nichts Festes. Fände es schon etwas peinlich meinen Enkeln erzählen zu müssen, ich hätte meine große Liebe bei Tinder kennengelernt.
Doch warum nutzen wir eigentlich Tinder oder Lovoo? Haben wir vor lauter Arbeit und Verpflichtungen nicht einmal mehr Zeit für die Liebe? Traurige Erkenntnis. Meine Generation ist so schrecklich unabhängig und freiheitsliebend, dass man nach Typen für was Festes lange suchen kann. Doch will ich überhaupt was Ernsthaftes? Kompromisse schließen, viel Zeit und Mühe investieren… Da sind lockere Dates und unverbindliche Liebe dann doch zeitgemäßer. Liebe im 21. Jahrhundert eben. Karriere, Studium, Arbeit, Hobbys, Freunde, Familie… Liebe und Beziehung sind auf dieser Prioritätenliste eher das Schlusslicht. Tinder ist also wie unsere Gesellschaft: sehr oberflächlich. Meist entscheidet man nur am Äußeren ob man „Nope“ oder „Like“ tippt. Zwar kann man sich auch ein kleines Profil von dem Kerl ansehen, aber dann wäre man wohl Jahre beschäftigt.  Und diese Zeit haben wir anscheinend nicht. Folglich sind wir an dieser Dating-Katastrophe selbst schuld. Es lebe die Freiheit! Doch wenn wir doch so auf eben genannte stehen, wozu brauchen wir dann eine Dating-App? Schnellen S** kriegt man schließlich im Nachtleben zur Genüge. Suchen wir etwa doch die Liebe?! Ach eigentlich wissen wir gar nicht was wir wirklich wollen. So verbleiben wir in unserem Dilemma.
Fazit: Das Hot or Not Prinzip der App macht wirklich Spaß! Außerdem besticht die App durch ihr modernes Design. Und für den, der es braucht, gibt es Bestätigung des anderen Geschlechts oben drauf. Doch wer wirklich die große Liebe sucht, ist hier meiner Meinung nach falsch. Das ein oder andere Abenteuer lässt sich aber bestimmt finden. Wie im wahren Leben, verschwendet man aber häufig seine Zeit mit Männern die eh nichts für einen sind. Wer sich stattdessen nur die Langeweile vertreiben will, ist hier genau richtig. Manche Bilder und Profilangaben sind einfach der Hammer! Schmunzelgarantie!

Veröffentlicht von

23, Studentin, Schreiberling, Ronja Räubertochter mit Hang zu rosa und veganer Kosmetik.

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