Porträt: Treue Begleiter mit dunkelbraunen Augen

Im letzten Jahr verfasste ich dieses Porträt über Hans-Jürgen Moser – erschienen am 24.08.2013 in den Weinheimer Nachrichten
Langes, cremefarbenes Fell, braune Augen umrahmt von einer dunklen Maske und eine schwarze, feuchte Nase. Stürmisch und schwanzwedelnd wird man beim Eintreten von vier großen Hunden begrüßt. An den Wänden hängen viele Fotos und Gemälde der Vierbeiner.
Mit einem kräftigen Satz springt Bashana auf den Sessel und strahlt reine Eleganz und Würde aus, wie sie so entspannt da liegt, während die anderen mit einem anmutig federnden Gang in den Garten laufen.
Auf den Hund, genauer auf den Afghanischen Windhund ist Hans-Jürgen Moser schon vor langer Zeit gekommen und hat sich augenscheinlich unsterblich in diese Rasse verliebt. Vier von ihnen besitzt er derzeit zusammen mit seiner Frau Ingrid und hat mit ihnen so einiges zu tun. Neben der täglichen Pflege, besuchen sie Rennen und Ausstellungen. Außerdem züchtet er Afghanische Windhunde hin und wieder, doch an oberster Stelle stehen bei ihm immer der Spaß und glückliche Hunde. 
Die Leidenschaft für die exotischen Hunde aus Afghanistan begann 1971 zunächst mit Hunden aus zweiter Hand und noch ohne besondere Ambitionen. Mit der Zeit wuchs Mosers Wunsch selbst diese interessante Rasse zu erhalten und zu gestalten. Es folgte der erste Hund aus Züchterhand und damit viele schöne und ereignisreiche Jahre mit den Vierbeinern als treue Begleiter und Familienmitglieder. 
Die Rasse der Afghanischen Windhunde ist eine der ursprünglichsten Windhunderassen aus dem Hochland des Hindukusch. Bereits 4000 Jahre v. Chr. züchteten Nomaden Hunde die als Vorfahren des heutigen Afghanischen Windhundes gelten. In seinem Ursprungsland Afghanistan wurde der Hund sehr hoch geschätzt und wie eine Kostbarkeit behandelt. Eingesetzt wurden sie meist als Jagdhunde für die Hetzjagd. Aufgrund ihrer Stellung wurde ihr Export verboten, weshalb sie zunächst ausschließlich aus dem Land geschmuggelt werden konnten. Durch Britische Soldaten im zweiten anglo-afghanischen Krieg von 1878 bis 1880 kamen Exemplare des Afghanischen Windhundes schließlich nach Europa. Den Hund aus Afghanistan charakterisiert man am treffendsten mit Eleganz, Würde und Stolz neben Kraft und Schnelligkeit. Rüden erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 74 Zentimetern und werden bis zu 30 Kilo schwer. Verschiedene Fellfarbvarianten existieren, von rot, creme, oder silber, bis hin zu schwarz. In ihrem Wesen sind Afghanische Windhunde sanft und ruhig, doch beim Sport stark, schnell und voller Tatendrang. 
Bereits neun Würfe begleitete Moser ins Leben, vier davon unter dem Zuchtnamen „d’Avicenna“. Avicenna war ein Arzt und Gelehrter aus der orientalischen Welt im 1100 Jahrhundert und erbrachte hervorragende Leistungen auf den Gebieten der Medizin und Philosophie. Moser wollte mit der Benennung seiner Zucht nach Avicenna eine Verbindung schaffen, zwischen der west-europäischen und der orientalischen Welt. Außerdem würdige er so diesen großartigen Mann. Allgemein ist ihm das Auseinandersetzen mit der arabischen Welt sehr wichtig. Das offen sein für andere Kulturen öffne einem selbst den eigenen Horizont, erklärte er. 
„Schönheit und Leistung“ ist das Motto seiner nachhaltigen Hundezucht. Bei ihm sollen die Hündinnen nur einmal in ihrem Leben werfen, da er eine Massenzüchtung unbedingt verhindern wolle. Die Hündin sieht er als Familienmitglied und nicht als „Brutmaschine“ an. Insgesamt 21 Welpen züchtete er bereits in den vier Würfen unter dem Namen „d’Avicenna“. Wobei er einen Wurf meist nur auf Nachfrage plant. „Ich will wissen wo die Hunde hinkommen“, erklärt er und fügt an dass er und seine Frau vor dem Welpenkauf und auch danach engen Kontakt zu den Käufern halten. Weit verstreut, nicht nur in Deutschland sondern auch europaweit, finden sich seine Züchtungen. Bis nach Marokko kam einer der Afghanischen Windhunde aus Laudenbach. Chems, der 2007 geboren wurde, haben sie dieses Jahr zusammen mit ihrer Hündin Djamila in Agadir, Marokko, besucht und dort eine sehr schöne Zeit verbracht. Schon zuvor als die Familie aus Marokko Interesse an einem ihrer Welpen meldete, flog das Ehepaar nach Agadir um sich davon zu überzeugen, dass hier ein schönes Zuhause für ihren Schützling sei.  Vier der 21 Welpen behielt das Ehepaar Moser in eigenem Besitz: Die 2005 geborene Bashana, der sechsjährige Cadash sowie Hündin Djamila und Rüde Djinn die 2010 auf die Welt kamen. 
Im Alltag sind die vier Hunde viel im Garten wo sie auf ausrangierten Sofas viel Platz zum dösen und kuscheln haben. Oder sie verbringen die Zeit in den Büroräumen Ingrid Mosers, deren Angestellten auch gerne Mal eine Runde mit ihnen Gassi gehen. Moser selbst hält sich und die Hunde durch gemeinsames Joggen im Wald gerne sportlich und gesund. Seit Dezember 2012 ist er Rentner und die Hunde seien für ihn eine Aufgabe die ihn fit halte. „Ich bin froh die Hunde zu haben“, erklärte er. Im Schnitt wird viermal die Woche mit den rennbegeisterten Hunden trainiert. Neben der körperlichen Auslastung erfordert das lange Fell intensive Pflege. Ein bis zweimal die Woche werden alle vier ausreichend gebürstet und einmal im Monat geht es unter die Dusche. Stehen Hundeschauen an wird natürlich gründlicher geputzt und gekämmt, doch von zu viel des Guten hält Moser rein gar nichts und findet beispielsweise das Verwenden von Eyeliner als nicht tiergerecht und übertrieben. 
Für ihn und seine Frau sind die Hunde ein sehr intensives und schönes Hobby und bei den Hunderennen an denen sie teilnehmen freuen sie sich immer am meisten darauf Bekannte und Freunde wiederzusehen. Titel seien schön, aber der Gewinn stehe keinesfalls in Vordergrund. Durch die europaweite Teilnahme an Windhunderennen sind die beiden mit ihren Hunden schon viel herumgekommen, haben tolle Menschen kennengelernt und fahren immer mit Wiedersehensfreude zu den Turnieren. Obwohl es für beide nur ein wunderbares Hobby ist, wie sie sagen, so sprechen die  Erfolge ihrer Vierbeiner doch für sich. So reihen ihre Hunde einige Titel und Auszeichnungen auf. Hündin Bashana ist unteranderem Internationaler Coursingchampion 2010, DWZRV (Deutscher Windhundzucht- und Rennverband) Siegerin für Schönheit und Leistung. Über ihren Sieg 2008 des International Coursing Club der Elite in Turin, freute sich das Ehepaar besonders. Cadash ist Mosers erfolgreichster Hund bisher und sei bereits als Welpe außergewöhnlich gewesen. So wurde er schon mit anderthalb Jahren deutscher Derby Sieger 2009 und gewann neben Titeln wie dem Coursingchampion des DWZRV 2011, deutscher Rennchampion 2012 sowie internationaler Rennchampion 2012 und Verbands-Rennsieger 2012 einige weitere Preise. Die beiden anderen, Rüde Djinn und Hündin Djamila, werden derzeit trainiert und laufen ihre ersten Rennen. 
Moser ist froh darüber, dass Windhunderennen in Deutschland reiner Amateursport sind und nennt schreckliche Beispiele aus Ländern, in denen Windhunderennen ein Profisport ist. Durch die Wetten zähle der Hund hier nichts und würde bei anhaltender schlechter Leistung vergast, oder anders umgebracht werden. Windhunde würden hier unter grausamen Bedingungen massenhaft gezüchtet werden und der Gewinn stehe im Vordergrund. Bei einem Rennen in Deutschland werden die Hunde zuvor tierärztlich untersucht und die Rennlizenzen kontrolliert außerdem sind Wetten jeglicher Art verboten. Die Teilnahme an Windhunderennen ist frühestens für Hunde ab 18 Monaten erlaubt. Der Tierschutz müsse immer im Vordergrund stehen. Welchen Spaß seine Hunde dabei hätten, beschreibt Moser mit dem Leuchten in deren Augen und der spürbaren Begeisterung, wenn diese Richtung Startbox gehen. Zu ihrem gegenseitigen Schutz tragen die Hunde, während sie einer Hasenattrappe nachjagen, Maulkörbe. Da die Startboxen sehr eng seien, müsse dies vorher geübt werden und vor allem dürfe man die Hunde nicht zu irgendetwas zwingen oder überfordern und man müsse ihnen unbedingt Pausen gönnen, betont Moser. 
Um sich für einen guten Umgang mit Afghanischen Windhunden einzusetzen und die Rasse zu gestalten ist Moser außerdem noch Zuchtkommissionsmitglied für Afghanische Windhunde im Auftrag des Deutschen Windhundzucht- und Rennverbandes (DWZRV). Hier beantwortet er beispielweise Anfragen, die die Erlaubnis zur Züchtung Afghanischer Windhunde betreffen. 

Viele schöne Jahre mit seinen Vierbeinern liegen hinter Hans-Jürgen Moser: Welpen auf die Welt bringen und schließlich abgeben, tägliches Training, mitfiebern am Rennbahnrand, Freunde treffen sowie etliche Streicheleinheiten. Und es werden noch viele schöne Jahre kommen, immer dabei seine treuen Begleiter mit den dunkelbraunen Augen und der nasskalten Schnauze. sms

Veröffentlicht von

23, Studentin, Schreiberling, Ronja Räubertochter mit Hang zu rosa und veganer Kosmetik.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s