Lautgedacht: Dorf trifft Stadt – Weniger ist mehr Teil 1

Als ich – ein Mädchen vom Dorf – vor einem Jahr mein Studium in einer von Deutschlands Großstädten aufnahm wurde ich von meiner Mutter herzlich belächelt. Danke Mama! Sehr aufbauend.
Wobei sie natürlich schon ein bisschen zurecht über mich grinste – so fahre ich lieber täglich über eine Stunde mit dem Zug zur Uni anstatt endlich mal auszuziehen. Aber Zuhause im Grünen ist es für mich einfach am schönsten. Doch während die ersten Wochen aufregend und anstrengend waren – ich öfter panisch nach der richtigen u-Bahn suchte oder mich hoffnungslos verlaufen hatte – habe ich mich inzwischen doch ganz gut eingelebt, auch wenn ich meine Handtasche immer noch krampfhaft festhalte, vor lauter Angst in dieser bösen großen Stadt ausgeraubt zu werden.

Oft versuche ich diesem Überangebot von Lichtern, Werbung, Shops und Essen aller Art zu entgehen. Scheuklappen auf und da rein – dort raus. Inzwischen stört mich auch das gequetsche und Gedränge am Hauptbahnhof nicht mehr – es sei denn natürlich ich habe es super eilig und diese Deppen stehen links auf der Überholspur der Rolltreppe. Da könnte ich wirklich ausrasten. Rechts stehen und links gehen – ist doch ganz einfach, oder? Ich musste dass auf die harte Tour lernen und wurde grob zur Seite geschubst oder verbal auf meinen Fauxpas hingewiesen. Der Weg vom Gleis zur u-Bahn ist schlichtweg ein Kampf! Schon kurz vor verlassen des Zuges wappne ich mich mental darauf mich gleich durchzuboxen. Schultern straffen, Tasche eng an den Körper drücken, Hände zu Fäusten ballen und los geht’s! Verschwunden ist nach einem Jahr das unsichere Mädchen, dass herumgeschubst und sich hilfesuchend umblickt. Jetzt habe ich den City Flow und fühle mich echt wohl hier – zumindest tagsüber. 
Doch wurde ich gestern wieder darin bestärkt warum ich nicht in diesem Big City Life leben möchte. Eigentlich wollte ich nach der Uni nur ein paar Sachen besorgen bevor es zurück aufs Dorf geht: eine Druckerpatrone, einen Tipex-Stift, einen Leitz-Ordner sowie ein Buch der Fischer Taschenbibliothek. Sollte ja eigentlich ganz einfach sein. In der Kleinstadt nahe meines Dorfes hätte ich bis auf die aufgefüllte Druckerpatrone alles schnurstracks gefunden. Doch in der Stadt sieht man vor lauter Bäumen einfach den Wald nicht mehr. Die Druckerpatrone war noch einfach. Per google Maps fand ich den Shop nahe der Uni relativ zügig und dank meiner Intuition war darauf auch eine u-Bahn Station schnell entdeckt. Weiter ging es zur Innenstadt. Irgendwie habe ich die Treppe die ich sonst immer nehme verloren. Mist! Es sah nichts aus wie sonst und schwups war ich wieder völlig verunsichert wie ich aus diesem Treppen/ Bahnsteig Labyrinth jemals herausfinden soll. Da ist Deutschland DER Schilderwald schlechthin – aber sinnvolle Schilder die gibt es natürlich nicht. Irgendwie – ich weiß nicht wie – stand ich dann ab der frischen Luft. Endlich! Ich blickte mich um und da – Yeah! Strike! – entdeckte ich den begehrten Buchladen. Leider wurde meine Freude darüber beim eintreten gleich wieder zunichte gemacht. Puh! Warme schwere Luft durchflutete meine Lunge. Binnen weniger Sekunden badete ich in Schweiß. Zerrte den Schal von meinem Hals und zubbelte an meinem dicken Zopfpulli. Wer denkt sich diesen Unfug bloß aus? Der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen lag bestimmt – zumindest gefühlt – bei 20 Grad. Soll man etwa im Bikini Bücher kaufen? Erstens ist diese Temperatur für Menschen in Jacke etc. mehr als unangenehm. Natürlich – man könnte die Jacke zwar auch abnehmen, aber zum Bücher gucken hab ich nunmal ganz gerne freie Hände. Außerdem ist dieses aufheizen energiemäßig eine riesige Sauerei für die Umwelt. Während ich mich innerlich über die Hitze aufregte brachen meine Gedanken plötzlich ab als ich mich in der Buchhandlung umblickte. Ach du sch****! Das ist krank! Wer soll das alles kaufen? Tausende, Millionen bunte Cover blickten mich aus mehreren Stockwerken an. Wie soll ich da bloß das finden was ich will? Garnicht dachte ich mir – denn genau das wollen diese Verkaufspsychologen die einem mit irgendwelchen Tricks auch den letzten Mist andrehen könnten. Hätte ich es nicht so eilig gehabt, hätte ich vielleicht die Buchhandlung ganz schön gefunden. Doch so sah ich mich vor einer schwierigen Aufgabe: finde in diesen tausenden Büchern das Buch von Agatha Christie im Format der Fischer Taschenbibliothek UND LASS DICH NICHT ABLENKEN!!! Letzteres war wohl die schwierigste Bedingung. Mit meinem Shopping-Röntgenblick zoomte ich die erste Etage ab „oh das sieht nett aus. Nein! Du hast eine Mission. Aber wenn es doch… Konzentrier dich. “ Wäre ich eine Comicfigur hätte es aus meine Ohren gepfiffen und gedampft. Ein innerer Kampf. Schließlich gewann der Wunsch so schnell wie möglich diese Sauna zu verlassen. Schnell die Treppe rauf. Zoom zoom zoom… Ha! Gefunden! Strammen Schrittes lief ich auf den Ständer mit den kleinen süßen Büchern zu. Kniete mich nieder und fing an von unten nach oben nach dem Krimi zu suchen. Nichts. Nochmal. Wieder nichts. Nochmal. Bin ich blind? Lieber nochmal suchen. Nicht da. Das gibts doch nicht. Wollen die mich vera****en? Da sind hier tausende von Büchern – manche davon gibt es auf jeder Etage – ich bin schon ganz blind von so vielen bunten Covern und dieses eine Buch soll jetzt nicht da sein. Toll ^^ … nicht! Nach einer kurzen Phase der Enttäuschung blickte ich erneut auf den Ständer „Um meine Enttäuschung zu heilen könnte ich mir auch einfach ein anderes buch kaufen. Wäre ja schade wenn ich jetzt mit leeren Händen gehen müsste. Dass wäre ja dann doppelt enttäuschend!“, dachte ich und suchte währenddessen schon nach meinem neuen Buch. Gefunden. Zack schnell los zur Kasse. Schließlich brauchte ich noch den Ordner etc. Mit der festen Überzeugung es würde Schreibwaren bei Karstadt finden marschierte ich auf diesen zu. Diesen Weg wusste ich auswendig…

Veröffentlicht von

23, Studentin, Schreiberling, Ronja Räubertochter mit Hang zu rosa und veganer Kosmetik.

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